Managementrezepte haben ausgedient
Wege aus dem Mittelmaß

Managementrezepte haben ausgedient. Wer mit alten Mustern bricht, ist erfolgreicher. Aber er braucht Mut und Ideen.

DÜSSELDORF. „Eigentlich habe ich keine Ahnung, wie man richtig managt“, so das erfrischend offene Bekenntnis von Peter Walter, Ex-Geschäftsführer von Betapharm Arzneimittel in Augsburg. Möglich, dass er früher für diesen Satz belächelt worden wäre. Heute findet Wirtschaftswissenschaftler Stefan Kaduk vom Institut für Personal- und Organisationsforschung an der Bundeswehr-Universität München immer mehr Entscheider, die sich ähnlich äußern.

„Die alten Führungsmuster greifen nicht mehr“, konstatiert Kaduk. Das zeigt auch eine Umfrage unter 526 Managern, die das Managementzentrum St. Gallen befragte: 82 Prozent meinen, dass in den nächsten fünf Jahren ein radikaler Richtungswechsel im Managementdenken nötig ist. Weil von außen gravierende Veränderungen auf die Unternehmen zukommen.

Visionär managen? In der Praxis entpuppen sich viele Entscheider als kühle Zahlenfetischisten und engstirnige Abteilungsdenker. Zu Dialogfähigkeit und Teamorientierung bekennen sie sich pflichtschuldig im Führungsseminar – um all die weichen Faktoren im Alltag wieder auszublenden. „Viele Manager funktionieren nur noch im Hinblick auf bestimmte sozialisierte Verhaltensweisen“, beschreibt Kaduk das Phänomen. Sie greifen – wie ferngesteuert – zu den immer gleichen Mustern, um Krisen zu bewältigen.

Sinkende Umsätze, verfehlte Renditeziele? Dann müssen wohl Leute entlassen und Etats gekürzt werden. So oder ähnlich lauten die vorgefertigten Handlungsmuster. Viele Manager merken es zu spät, wenn diese ideenlose Methode in eine Sackgasse führt. Das Festhalten an Lösungen nach Schema F verstellt den Blick für Erfolg versprechende Alternativen. Aber quer denken erfordert Mut. Den Mut, auf ein Umsatz- und Ergebnisminus mit Investitionen in Entwicklung oder Vertrieb zu antworten oder neue Geschäftsbereiche zu erschließen. Stattdessen agieren Firmenlenker oft nach Stereotypen: Der Kundenservice wird kaputtgespart, die Belegschaft resigniert, die Kunden sind vergrätzt. So schrumpfen sich Firmen mitunter zu Tode.

Doch was ist die Alternative zur Arbeit mit Zahlen, zum Denken in Abteilungen und Hierarchien? Führung nur aus dem Bauch heraus? Nein, sagt Kaduk: „Der Gegenentwurf ist der Musterbrecher.“ Über diesen neuen Typ des Unternehmenslenkers hat er mit seinen Kollegen Hans Wütherich und Dirk Osmertz ein Buch verfasst (Musterbrecher. Gabler 2006, 39,90 Euro).

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