Managen statt vertuschen
Wie Unternehmen richtig mit Fehlern umgehen

Fehler kommen in den besten Firmen vor - doch nicht immer sind sie harmlos. Im Gegenteil: Unternehmerische Irrtümer und Blackouts kosten die Wirtschaft Billionen. Trotzdem steckt die Fehlerforschung noch in den Kinderschuhen.

New YorkAn alles hatten die Ingenieure gedacht. Um den neuen von Lamborghini Gallardo Spyder Perfomante leichter und schneller zu machen als das Vorgängermodell, hatten sie nicht nur das Navigationsgerät, sondern auch das Radio entfernt. Nun schafft der Sportwagen in der Spitze 324 Stundenkilometer. Die Testfahrer wunderten sich nur über eines – die Lautsprecher in den Türen. Die ebenfalls zu entfernen, das hatten die Ingenieure schlichtweg vergessen.

Fehler kommen in den besten Firmen vor. Nicht immer sind sie so harmlos wie die nutzlosen Lautsprecher bei Lamborghini – Probleme mit Bremsen und Gaspedalen haben in den USA zum Beispiel massiv das Image von Toyota belastet. Insgesamt haben Autohersteller im Jahr 2010 allein in den USA 600 Rückrufaktionen gestartet – mehr als 19 Millionen Fahrzeuge waren betroffen.

Solche Irrtümer und Blackouts kosten die Wirtschaft Billionen: Jeder zehnte Mitarbeiter arbeitet statistisch nur dafür, die Fehler von neun Kollegen auszugleichen, schätzen Fachleute.

Trotz der enormen wirtschaftlichen Bedeutung steckt die Fehlerforschung in den Kinderschuhen, denn sie ignorierte lange Zeit den Faktor Mensch. Traditionell setzen Betriebswirtschaftler und Ingenieure darauf, Fehler einfach auszumerzen – indem sie Prozesse optimieren und Risiken minimieren.

Zahlreiche Methoden und Instrumente haben Forscher und Manager dafür erfunden. Das Spektrum reicht von Checklisten und Störfallberichten bis zur maximalen Standardisierung von Abläufen, wie sie etwa die Managementmethode „Six Sigma“ verspricht.

Zu viel Kontrolle ist kontraproduktiv

Doch dieser technokratische Ansatz hat seinen Preis: „Zu viel Kontrolle lässt ein Unternehmen erstarren und beeinträchtigt seine Innovationsfähigkeit“, sagt Michael Frese, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Business School der National University of Singapore und an der Leuphana-Universität Lüneburg. Er war einer der Ersten, der in den 90er-Jahren statt Fehlervermeidung Fehlermanagement propagierte. „Da es ohnehin keine Perfektion gibt, sollten wir uns damit beschäftigen, wie wir konstruktiv mit Fehlern umgehen“, sagt er.

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