Manager-Check
Bühnenstar oder Schlaftablette?

Die größten deutschen Unternehmen starten in die Hauptversammlungssaison. Welcher Top-Manager liefert die beste Rede an die Aktionäre? Handelsblatt und die Uni Hohenheim unterziehen alle DAX30-Chefs dem Rhetorik-Check.
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DüsseldorfDa stolperte sogar ein erfahrener Hauptversammlungs-Hase wie RWE-Chef Jürgen Großmann verbal über seinen Text: Als Atomkraftgegner im April 2011 in der Gruga-Halle in Essen „Abschalten, abschalten“ brüllten, sprach der Manager bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse selbst vom „erfolgreichen Abschalten Ihrer RWE“ statt vom „Abschneiden“.

Irritiert über seinen Versprecher hielt er inne, murmelte schmunzelnd „da sehen Sie mal…“ und begann im Text noch mal von vorn. Während Sicherheitskräfte die Schreihälse aus der Halle eskortierten, hatte der Manager am Pult für sein Publikum kaum mehr einen Blick über seine Lesebrille hinweg übrig, stattdessen klebte er etwa eine Stunde lang an seinem juristisch wasserdichten Manuskript. Atomausstieg hin oder her - eine rhetorische Glanzleistung, die Anteilseigner überzeugt oder sogar mitreißt, sieht anders aus.

Rhetorik-Check
Heinrich Hiesinger
Peter Löscher
Peter Bauer
Dieter Zetsche
Kasper Rorstedt
Jürgen Großmann
Martin Winterkorn
Georg Pachta-Reyhofen
Dr. Karl-Ludwig Kley
Thomas-B. Quaas
Nikolaus von Bomhard
Kurt Bock
Marijn Dekkers
Johannes Teyssen
Bernd Scheifele
Wolfgang Reitzle
Olaf Koch
Ulf Schneider
Frank Appel
Michael Diekmann
Ben Lipps
Martin Blessing
Reto Francioni
Herbert Hainer
Bill McDermott
Norbert Steiner
Jim Hagemann Snabe
Christoph Franz
Norbert Reithofer
René Obermann
Josef Ackermann

Top-Manager heißt nicht automatisch Spitzen-Rhetoriker. Im Gegenteil. Der Auftritt vor den Aktionären bereitet manchem Vorstandsvorsitzenden schlaflose Nächte. Nicht nur, dass Eigner und Medienvertreter eine fehlerfreie, verständliche und gehaltvolle Ansprache erwarten, nein, es gilt auch, unerwartete Situationen souverän zu meistern. Denn stimmen Zahlen, Strategie oder die Haltung des Managements nicht, ufert die wichtigste Aktionärsveranstaltung des Jahres schon mal aus.

Von empörten Zwischenrufen wie zuletzt beim Vortrag von Commerzbank-Vorstand Martin Blessing als enttäuschte Aktionäre lautstark ihrem Unmut über die zum dritten Mal ausgefallene Dividende Luft machten, über Beleidigungen bis hin zu Kloppereien – auch 2012 ist wieder alles drin. So dürfte auch RWE-Chef Jürgen Großmann abermals auf eine stürmische Hauptversammlung am 19. April gefasst sein. Vermutlich tröstet er sich schon jetzt damit, dass es sein letzter Auftritt ist, denn im Sommer 2012 übernimmt Peter Terium das Ruder.

Schon in dieser Saison dürfen Aktionäre der DAX30-Liga hoffen, dass die neuen Gesichter unter den Vorstandsvorsitzenden auch frischen Schwung in die Veranstaltung bringen: Den Auftakt macht Heinrich Hiesinger, der neue Chef von ThyssenKrupp. Der promovierte Elektroingenieur hat Ekkehard Schulz abgelöst, der für seine Schachtelsätze und leeren Worthülsen wie „Innovation“ oder „Produktoffensive“ gefürchtet war. Im vergangenen Jahr jedoch, bei seinem 12. und gleichzeitigem Abschiedsauftritt, rührte der Stahlmanager die Eigner mit einem überraschend-rührseligen Einblick in seine Gefühlswelt.

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