Manager
Die nächste Welle der Globalisierung

Paradigmenwechsel: Die Jagd nach dem billigsten Produktionsstandort geht derzeit zu Ende. Unternehmen von morgen bauen reißfeste Lieferketten und suchen Talente auf der ganzen Welt.
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Der Mann, der den Begriff der Globalisierung in die Umgangssprache einführte, hat in vielen Dingen Recht behalten. "Die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Welt sind unwiderruflich homogenisiert worden", schrieb der deutschstämmige Professor Theodore Levitt 1983 in einem epochemachenden Aufsatz in der Zeitschrift "Harvard Business Review". Darin sagte er "den Aufstieg globaler Märkte für standardisierte Konsumprodukte in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß" voraus. Die dadurch mögliche Massenproduktion werde die Preise drücken und globale Konzerne entstehen lassen.

Was Levitt damals noch nicht einmal ahnen konnte, waren spätere Großereignisse wie das Ende des Ostblocks oder die Öffnung der Milliardenmärkte China und Indien. Diese ergänzten die Globalisierung der Produktwelt um die Globalisierung der Arbeitswelt, die noch viel größere Kostensenkungen ermöglichte als Levitt erwartet hatte. Ein aktuelles Symbol für beide Facetten der Globalisierung ist das iPhone: Zum einen stellt es das universell begehrte Konsumprodukt der vergangenen Jahre dar, zum anderen das Vorbild für die optimale Ausnutzung weltumspannender Wertschöpfungsketten. Erdacht und gestaltet von Apple-Ingenieuren im kalifornischen Cupertino, zusammengebaut in den Fabriken des Auftragsfertigers Foxconn in der chinesischen Provinz Shenzhen mit Teilen aus aller Welt, hat es seinen Siegeszug um die Welt angetreten und Apple enorme Gewinne verschafft.

Wie perfekt die Maschinerie läuft, zeigen die Ökonomen Yuqing Xing und Neal Detert in einer faszinierenden Fallstudie. Von den Speicherbausteinen über den Touchscreen bis hin zur Kamera werden sämtliche Einzelteile des iPhones in anderen Ländern produziert und nach China zur Endmontage verschifft. Wichtigster Zulieferer ist Toshiba, der japanische Konzern liefert Teile im Wert von 60 Dollar. Infineon steuert Komponenten für 29 Dollar bei, Samsung aus Korea für 23 Dollar und US-Firmen nur Teile für elf Dollar. Bei Foxconn wird all das nur noch zusammengesetzt. Die chinesische Wertschöpfung beläuft sich gerade einmal auf 3,6 Prozent der gesamten Herstellungskosten: 6,50 von 179 Dollar.
Bei einem Kaufpreis von 499 Dollar bleiben hingegen 320 Dollar bei Apple hängen - was einer rekordverdächtigen Gewinnmarge von 64 Prozent entspricht. Die Berechnung zeigt eindrucksvoll, welche Profite ein Konzern einstreichen kann, der die Spielregeln der globalen Wirtschaft perfekt beherrscht.

Es ist eine Welt, in der die Etiketten wie "Made in Germany" nicht mehr viel aussagen - der Wertschöpfungsanteil des Herkunftslandes wird immer kleiner. Es ist vielmehr die Leistung der Ingenieure und Designer, die heute einem globalen Produkt seine Einzigartigkeit gibt. Da sich die Konzerne aus dem globalen Talentpool bedienen, um die besten Techniker und kreativsten Köpfe zu finden, sind auch die Schöpfer der Güter längst multinationale Teams. Dass das iPhone ein amerikanisches Smartphone ist oder der BMW ein deutsches Auto, spielt sich heute vor allem im Kopf des Kunden ab. In Wahrheit regiert Levitts standardisiertes Weltprodukt - wo nötig angepasst an lokale Konsumgewohnheiten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Weltwirtschaft davon geprägt, dass sich ein Land nach dem anderen öffnete und sich den Unternehmen so eine immer größere Auswahl an Standorten für Fabriken und Call-Center bot. Die Firmen schickten ihre Einkäufer um die Welt, um die Lieferketten zu optimieren.
Dieser Prozess stößt aber allmählich an seine Grenzen. Selbst in China, mit seinem doch scheinbar unerschöpflichen Reservoir an billigen Arbeitskräften, steigen sprunghaft die Löhne. Und das ist durchaus im Sinne der Regierung: China will nicht die verlängerte Werkbank der alten Industriestaaten bleiben, sondern selbst Hochtechnologie anbieten.

Kommentare zu " Manager: Die nächste Welle der Globalisierung"

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  • Globale Mananger sind in einem solch konservativen Land wie Deutschland doch noch gar nicht gewünscht! Wenn unsere Unternehmen und Unternehmer sich nicht schnell der globalisierten Geschäftswelt anschließen, werden wir bald nicht nur von Chinesen finanziert, sondern auch gemanaged.
    Beispiel: eine junge Frau, 30 Jahre alt, gerade MBA abgeschlossen, hat 4,5 Jahre in China gearbeitet, hat dort ein Team gemanaged, supply-chain Erfahrung, spricht fließend Englisch, sehr gut Chinesisch. Und... sie findet keine Arbeit in Deutschland. Warum? Die Aussage von den meisten ist: sie ist zu jung. Wenn deutsche Unternehmen weiterhin nur noch 50-jährige Männer als Manager sehen, dann sehe ich schwarz für das Konzept des Globalen Managers in Deutschland.
    PS: meine Bekannte wird übrigens wieder ins Ausland gehen. So viel zu Fachkräftemangel in Deutschland. Alles eine Farce!

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