Manager-Fehler

Die Lehren aus dem Fall Nokia

Die Handybranche hat sich in den letzten Jahren rasant veändert. Manche konnten und können dem schnellen Tempo nicht standhalten, so wie Marktführer Nokia, der ins Abseits geraten ist. Ihr Fall ist ein Lehrstück für Management-Fehler und mangelnde Flexibilität.
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Nokia: Noch ist offen, ob es Nokia auch in Zukunft erfolgreich gelingt Menschen zu verbinden. Quelle: Reuters

Nokia: Noch ist offen, ob es Nokia auch in Zukunft erfolgreich gelingt Menschen zu verbinden.

(Foto: Reuters)

DÜSSELDORF. Nokia ist erst der Anfang - andere werden folgen. Roman Friedrich, Partner und Telekom-Experte bei Booz & Co., sagt: "Nokia hat die Fähigkeit verloren, sich schnell zu ändern. Viele Unternehmen sehen mittlerweile ein, dass sie etwas machen müssen. Aber sie schaffen nicht, es umzusetzen." Das Problem beginnt dabei oft ganz oben in der Hierarchie.

Noch 2002 ließ sich EU-Komissionspräsident Romano Prodi vom Enthusiasmus mitreißen: "Die Erfolge von Ericsson und Nokia haben zwei vitale Technologieräume rund um Stockholm und Oulu geschaffen." Das sieht heute ganz anders aus. Abseits von globalen Technik-Zentren wie dem Silicon Valley ist es schwer, rechtzeitig Trends zu erkennen und richtiges Personal zu bekommen.

Es gilt zu verhindern, dass aus dem Einzelfall Nokia ein europäischer Steppenbrand wird. Ob Infineon, Loewe und SAP in Deutschland, Bang & Olufsen in Dänemark oder Alcatel in Frankreich: die Liste der potenziell gefährdeten Opfer eines verschlafenen Wandels ist lang. "Viele Unternehmen prägt heute noch reine Hersteller-Denke. Der Serviceteil, wenn überhaupt vorhanden, ist ein Anhängsel", warnt Booz-Partner Friedrich. "So, wie es bei Nokia war."

Die Lehren aus dem Nokia-Desaster sind für andere Branchen wertvoll. Etwa dort, wo die Verschmelzung ihrer Geschäftsmodelle mit dem weltweiten Web ansteht. Axel Freyberg, Technologieexperte und Partner bei AT Kearney warnt: "Viele Branchen vom Verlag über TV-Sender bis zum Maschinenbau stehen vor einem Umbruch, es geht um vernetzte Geschäftsmodelle und vernetzte Produkte. Aber oft ist das Beharrungsvermögen im Management noch zu groß."

Europas hat noch immer viele Weltmarktführer, etwa in der Pharma-, Chemie- oder Autoindustrie. Erste Unternehmen wie Bosch sehen die Gefahr, die das ungehemmte Vordringen branchenfremder Unternehmen bringt. Sie brechen in eine neue Servicewelt auf, statt reiner Produkthersteller zu bleiben. Booz-Partner Friedrich: "Die Zeit wird knapp, weil die Digitalisierung und das Internet die Zeit für die Etablierung neuer Geschäftsmodelle dramatisch verkürzt hat."

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