Manager-Haftpflicht
Police mit Einschränkungen

Der Markt für Manager-Haftpflichtversicherungen ist hart umkämpft: Die Preise fallen, obwohl die Liste großer Schadensfälle immer länger wird und sich schon fast wie das "Who is Who?" der deutschen Wirtschaft liest. Und oftmals provozieren unklare Vertragsbedingungen Streit zwischen Kunde und Anbieter.

KÖLN. Was die Branche ihren Kunden über Rabatte einräumt, holt sie sich nach Beobachtung von Marktkennern inzwischen vermehrt über die Leistungsregulierung wieder herein. Diese Art der Police ist "auf dem besten Wege, sich den Ruf einer streitträchtigen Sparte einzuhandeln", meint der Deutsche Versicherungs-Schutzverband, in dem sich die Unternehmenskunden der Versicherer organisiert haben. Die Komplexität der Sparte mit ihren teilweise unklaren Regelungen und werblichen Aussagen biete viel Anlass zu Fehlvorstellungen und Missverständnissen bei den Kunden.

Die aus dem Angelsächsischen stammende Haftpflichtversicherung - Directors and Officers Liability (D&O) - versichert Manager, Aufsichts- und Beiräte gegen die finanziellen Folgen falscher oder fehlender Entscheidungen. Anders als Arbeitnehmer haften Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Aufsichtsräte bereits bei Fahrlässigkeit persönlich, unbeschränkt und mit ihrem gesamten Vermögen.

Einer der jüngsten Fälle ist VW. Hier soll ein Versicherer die Unregelmäßigkeiten auf den Spesenkonten von Manager Peter Hartz mit 4,5 Mill. Euro entschädigt haben. Zu großen Schadenfällen zählen Daimler-Chrysler, Telekom, Holzmann und Metallgesellschaft und zahlreiche Unternehmen des ehemaligen Neuen Marktes.

Für schwebende Schäden haben die Versicherer zwar Rückstellungen gebildet, hoffen aber auch, bei der Schadenabwicklung über Vergleiche kräftig zu sparen. Ein typisches Beispiel ist die Klage gegen acht WestLB-Manager wegen der Boxclever-Großkredite. Statt der geforderten 125 Mill. Euro verglichen sich Aufsichtsrat und das von Chubb geführte Versicherungskonsortium auf 14,7 Mill. Euro.

In vielen Fällen versuchten die Versicherer jedoch, Schadensersatzansprüche einfach abzulehnen, behauptet Michael Hendricks, der sich mit seiner gleichnamigen Firma als Versicherungsbroker auf die D&O-Sparte spezialisiert hat. Dabei stützten sie sich oft auf Bedingungswerke, die sehr restriktiv und unklar seien. Eine große Lücke sieht Hendricks derzeit zum Beispiel bei der Nachmeldung von Schäden. Die bisherige Frist von drei Jahren werde zunehmend verkürzt oder sogar gestrichen. Somit können bei Vertragsende Schadensersatzansprüche für vorangegangenes Fehlverhalten nur noch bedingt geltend gemacht werden

Den Trend zu schlechter Schadenregulierung will Udo Pana Kina so nicht bestätigen. "Schätzungen, dass auf 100 Policen zehn Schadenmeldungen kommen, sind sicherlich nicht übertrieben", sagt der D&O-Experte des Industriemaklers Marsh. Seiner Einschätzung werden allerdings oftmals Sachverhalte eingereicht, die nicht D&O-relevant sind. Daher gebe es dann keine Erstattung.

Hintergrund: Undurchsichtige Verhältnisse

Der Markt: Branchenkenner schätzen, dass etwa 20 D&O-Versicherer gegenwärtig rund 350 Mill. Euro Prämie verbuchen. Fast alle Dax-100-Unternehmen haben ihre Manager D&O-versichert, bei den mittelgroßen Unternehmen dürften es mehr als die Hälfte sein. Summa summarum dürften rund 12 000 Gesellschaften eine Managerhaftpflicht gekauft haben. Die Schäden, die wegen langwieriger Gerichtsverfahren oft erst nach Jahren feststehen, dürften größer sein als die Prämieneinnahmen.

Das Image: Viele Versicherer wissen um den schlechten Ruf der Managerhaftpflicht. Die Branche tut ihrerseits allerdings wenig, um dieses Image zu ändern. So gilt diese Sparte als intransparent, weil offizielle Zahlen nicht zu bekommen sind.

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