Manager-Haftpflicht-Versicherungen: Im Regen stehen trotz Regenschirm

Manager-Haftpflicht-Versicherungen
Im Regen stehen trotz Regenschirm

Zum dritten Mal hat das Handelsblatt 1 500 Unternehmen zu ihren Manager-Haftpflicht-Versicherungen befragt. Das Ergebnis: Die Prämien sinken. Doch wenn es zum Schwur kommt, zicken die D&O-Versicherer allzu oft und verweigern sich. Aber selbst dagegen versichern sich die Versicherten.

DÜSSELDORF. Horst Spitzkopf dürfte schlaflose Nächte haben. Wegen einer Fehleinschätzung, die ihm als Vorstandschef der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden vor fünf Jahren unterlief. Denn deswegen stehen er und seine Ex-Kollegen jetzt vor Gericht. Die Bank fordert von ihnen 250 Millionen Euro. Der Vorwurf: Spitzkopf hatte mit steigenden Zinsen gerechnet. Stattdessen sanken sie, die Bank geriet in eine Schieflage.

Ob und wie viel die Managerhaftpflicht der Banker – die AIG – am Ende zahlt, steht in den Sternen: Zwar springt eine D&O ("Directors' and Officers'") -Versicherung ein, wenn Top-Manager – Vorstände, Aufsichtsräte und GmbH-Geschäftsführer – zwar schuldhaft handelten, aber eben nicht illegal. Diese Managerhaftpflichtversicherungen schützen Führungskräfte nicht nur vor Inanspruchnahme nach eigenen Fehlern. Jurist Michael Hendricks, D&O-Experte und Chef der gleichnamigen Beratung in Düsseldorf urteilt: „Es ist keine Versicherung für Hasardeure, sondern sie ist überlebenswichtig. Allein schon, weil Chefs für ihre Leute haften – wegen so genannten Überwachungsverschuldens.“

Wenn Mitarbeiter Schmiergeld nehmen oder Geld unterschlagen. Oder wenn ein Konkurrent wegen Patentrechtsverletzungen klagt. Wie schnell man in die Schusslinie gerät, erfuhr Reinhard Pöllath, selbst Jurist, als er Vorstandschef bei Tchibo war und zwischen die Familienfronten geriet. Joachim Herz warf ihm vor, seinen Geschwistern Hertz-Schmökel zu viel Abfindung gezahlt zu haben – und forderte von Pöllath Ersatz.

Sobald ein Manager selbst gegen das Strafrecht verstößt, zahlt die D&O-Versicherung nichts. Dann steht er alleine im Regen, ist geschasst und ohne Geld für teure Strafverteidiger und Gutachter. Diese Fälle häufen sich, auch weil Aktionäre mit Argusaugen wachen. Stand früher für den Manager nur sein Job auf dem Spiel, so riskiert er heute Haus und Hof. Deshalb hat das Handelsblatt jetzt zum dritten Mal 1 500 Unternehmen zu ihren D&O-Versicherungen befragt: Was sie kosten, was sie leisten, wer ist die Beliebteste ist und wie reagiert die Assekuranz, wenn es zum Schwur kommt?

War vor einem Jahr die Allianz die Beliebteste, so steht jetzt Weltmarktführer AIG an erster Stelle, gefolgt von Chubb – vor zwei Jahren noch Unbeliebteste – und Allianz. AIG hat sich neuerdings sehr um seine Kunden bemüht, so die Insider. Etwa durch Service, indem sie mehr Leute einstellte und diese auf Kundenfreundlichkeit eichte. Gleichzeitig wurden die Versicherer auf breiter Front offensiver, kämpften um Marktanteile und haben ihre Preise gesenkt. „Bei manchen Kunden führte das zu Prämiensenkungen von bis zu 50 Prozent“, berichtet D&O-Experte Hendricks.

Das Umfrageergebnis: Bei jedem dritten Unternehmen sind die Prämien gesunken, bei den meisten stagniert und nur bei zehn Prozent angestiegen. Hendricks: „Noch mehr Firmen hätten Preissenkungen erreichen können – wenn sie verhandelt hätten.“ Ob die Strategie der Versicherer – mit Prämiensenkungen Kunden zu ködern – auf lange Sicht funktioniert bleibt dahin gestellt. Bei Kunden steht laut Handelsblatt-Umfrage die Deckungsqualität der Police auf Platz Eins bei den Kriterien, nach denen sie ihre Versicherer auswählen.

Eine weitere frohe Kunde für die Unternehmen: Nur jeder fünfte Befragte musste sich neue Leistungsausschlüsse gefallen lassen. Zum Vergleich: im Vorjahr war es noch jeder zweite. Dazu passt, dass die Zahl der Rauswürfe durch die Versicherer drastisch gesunken ist: Auf fünf von 23 Prozent vor zwei Jahren. Die stärkere Serviceorientierung zeigt sich auch darin, wie früh sich D&O-Versicherer mit den Verlängerungen der Verträge befassen: Waren es im Vorjahr noch sechs Wochen vor Vertragsende, so sind es heute acht Wochen.

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