Manager-Nachwuchs
Barrieren im Kopf

„Karma Kapitalismus – Werte statt Preise“: Im österreichischen Eisenstadt wappnet sich der Manager-Nachwuchs für die Zukunft. In Seminaren sollen Studenten neue Ideen entwickeln, um Veranstaltungen wie den G8-Gipfel – inklusive der Proteste dagegen – überflüssig zu machen.

EISENSTADT. Rrrrtsch.150 Stühle rutschen geräuschvoll nach hinten. 150 Studenten springen auf, wie es Jörg Geier von ihnen verlangt. Geier, stellvertretender Generalsekretär in der Denkerfabrik des Club of Rome, steht auf der Bühne im Haydnsaal von Schloss Esterházy nahe der österreich-ungarischen Grenze. Seine folgsamen Zuhörer kommen vom Uni-Management Club Wien. Manche fühlen sich unwohl im Anzug, den sie für dieses Wochenende aus dem Schrank gekramt haben. Er ist viel zu warm. Über Werte von morgen wollen sie in dieser Umgebung von gestern drei Tage lang reden. Darüber, welche Rolle die Finanzmärkte spielen werden, wenn sie einmal an der Reihe sind, Geld auszugeben. Wie ein Unternehmen aufgestellt sein muss, wenn sie erst in dessen Management vorgerückt sind. „Morgen entscheiden wir“, haben sie selbstbewusst ihren Kongress genannt, der eine Mischung ist: aus Debattier- und Rekrutierclub. Auch Firmen sind gekommen, um sich nach Nachwuchs umzuschauen.

Geisers Übung geht so: „Verschränkt die Arme!“, befiehlt er. „Und dann schiebt die Hand, die jetzt oben ist und den Ellbogen, der jetzt oben ist, nach unten.“ Bei mindestens der Hälfte seiner Zuhörer entsteht ein hoffnungsloses Knäuel vor der Brust. „Umdenken fällt schwer“, lautet Geiers Moral von der Geschichte.

Genau das wollen sie allerdings üben, jene Entscheider von morgen, die sich in diesen Tagen für Eisenstadt im Burgenland statt Heiligendamm in „Meckpomm“ entschieden haben. Auch in Heiligendamm geht es vor und hinter dem Zaun um die Zukunft. Während im regnerischen Norden allerdings Polizisten den Innersten Zirkel absperren, genügt im sonnigen Süden ein Schild über den unzugänglichen Teilen des Schlosses: „Auf hohen Befehl seiner hochfürstlichen Durchlaucht ist der Eingang für allgemein hier verboten.“ Während hoch oben in Heiligendamm die Mächtigsten der Welt die Ohnmacht derjenigen schüren, die glauben, nichts entscheiden zu können, geht es hier unten in Eisenstadt darum, Ideen zu entwickeln, um Veranstaltungen wie den G8-Gipfel – inklusive der Proteste dagegen – überflüssig zu machen.

„Karma Kapitalismus – Werte statt Preise“, nennt Peter Wippermann seinen Vortrag. Der deutsche Trendforscher und Professor ist nach Geier ein weiterer Ideengeber in Eisenstadt. Weißhaarig, dunkler Anzug, offenes Hemd – der Professor spielt seine Rolle als Mittler zwischen Establishment und Aufmüpfertum perfekt. Bevor er sich im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere dem Thema „Karma Kapitalismus“ zuwandte, hat er unter anderem im Auftrag des Zigaretten-Konzerns Philip Morris über die Zukunft nachgedacht und das Wort „Ich-AG“ erfunden.

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