Manager-Rhetorik
Action statt Redenschreiben!

Wenn es um harte Zahlen geht, sind Spitzenmanager auch rhetorisch voll gefragt. Executive Coach Stefan Wachtel beurteilt den Auftritt internationaler CEOs. Dass ein Kalifornier dabei das Rennen macht, ist kein Zufall.
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In der Berichtssaison geht es um Zahlen, es geht um Geld, und es geht um Menschen und ihre Glaubwürdigkeit. Es geht darum, dass sich die Manager verständlich machen, um Überzeugungen auszulösen, und erklären, warum Gutes oder Schlechtes dabei herausgekommen ist. Und es geht darum, ob man bei Bilanz-Pressekonferenzen großer Konzerne einschläft oder aufwacht. Auftritte von Spitzenmanagern sind schließlich wertrelevant.

Aber was ist daran gut, was schlecht? Es fehlen fundierten Antworten. Mit einer internationalen Zufallsauswahl dieses Frühjahrs hat das Handelsblatt jetzt begonnen, die Auftrittswirkung von vier Spitzenmanagern bei den Bilanz-PKs zu analysieren: Joseph Jimenez (Novartis), Georg Pachta-Reyhofen (MAN), Kasper Rorsted (Henkel) und Dieter Zetsche (Daimler).

Professor Baldur Neuber und sein Team fragten diesmal nicht nach Texten, sondern nach Redewirkung. Das Fachgebiet Sprechwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das sich seit über 40 Jahren mit Sprechwirkungsforschung beschäftigt, arbeitet derzeit an einem Kriterienkatalog speziell für Executive-Rhetorik. Das passt zur Praxis.

Beobachtet wurden: Ist der Verlauf herkömmlich oder originell? Wie ist der Sprechstil, langweilig oder lebendig? Wie ist das Staging; Haltung, Gestik, Bühne? Die Studie zeigt ein bunt gemischtes Bild. Einige Besonderheiten als Schlaglichter: Es hapert am Text (die beliebten „strategischen Aktionsfelder“), Unoriginelles findet sich zuhauf („Lassen Sie mich kurz auf die Highlights eingehen“, „Auch von meiner Seite herzlich willkommen“). Noch mehr fehlt es am Sprechen: Das findet ohne Pointierung, oft tonlos und leiernd statt. Es wird vorgelesen, und der Blick geht nach unten.

Bei komplexen Sätzen wird es zu schnell. Die Antworten sind langweilig: keine Abholung, keine Pointierung Mit Händen zu greifen ist die Gefahr, sich im Klein-Klein zu verlieren. Kaum Flughöhe, wenig pep. In den Antworten ist die Mehrheit zu authentisch und reagiert nicht selten unwirsch.

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