Manager-Training
Verkauf jetzt eine Waschmaschine!

US-Managern fehlt es an Flexibilität und Entscheidungsfreude. Auf Seminaren üben sie sich nun im Improvisieren. Wer die Ratschläge beherzigt und zusätzlich noch eine Prise Humor mitbringt, ist im Geschäftsleben unschlagbar.

LOS ANGELES. Die Marketingabteilung beim US-Kaufhausriesen Sears war sprachlos. Was Tom Yorton da verlangte, war bisher eher verpönt im erlauchten Zirkel der Top-Manager. Jeder der 30 anwesenden Besserverdiener sollte ohne Hilfe von Charts und Planspielen dem Tischnachbarn eine Waschmaschine verkaufen. „Hier und jetzt“, so Yorton. Aus dem Stand.

Improvisationstalent war gefragt. Und genau das hatte der Präsident von Second City Communications im Sinn. „Manager sind heute meist viel zu detailliert vorbereitet. Sie haben das Talent zum Improvisieren verloren“, beobachtet Yorton. „Und mangelnde Improvisation in der Geschäftswelt lähmt die Kreativität und somit meist auch den Umsatz.“ Deshalb veranstaltet Second Hand Communications – das Unternehmen aus dem kanadischen Toronto hat seine Wurzeln eigentlich im Entertainmentbereich – für jede zweite der Fortune-500-Firmen Workshops, die den „überqualifizierten und überstrapazierten Managern von heute“ die Kunst des Improvisierens im Job näher bringen.

Mit Seminaren wie „Think Better on your Feet“, „Create New Ideas Quickly“ oder dem „Improv Show Shop“ hat Second City einen Volltreffer gelandet. „Die Workshops sind lustig und unheimlich lehrreich. Ich habe erfahren, dass ein bisschen Improvisationstalent im Umgang mit Mitarbeitern oder einem angepeilten Geschäftsziel oft schneller zum Erfolg führt als ein stur ausgeführter Marketingplan“, berichtet Eric Bjornson, Personalchef einer großen Versicherungsgesellschaft in Los Angeles.

Warum ist das Improvisieren so wichtig in der Wirtschaft? „Ist es nicht besser, sich an einen exakten Geschäftsplan zu halten und davon so wenig wie möglich abzuweichen?“ „Sicher ist es unentbehrlich, einem Businessmodell zu folgen“, gibt auch Yorton zu. Jedoch: „Die Präsentation von guten Geschäftsideen findet heute im Dialog und nicht mehr im Monolog statt“, betont der Ex-Marketing-Chef des Netzwerkausrüsters 3Com . „Das ist die Realität“, so Yorton, „und eine ungewöhnlich große Zahl von Managern ist nicht vorbereitet auf diese Realität.“

Zur Improvisation im Geschäftsleben gehört aber nicht nur die Bereitschaft, auf unerwartete Zwischenfragen bei einer Präsentation gut parieren zu können. Improvisationstalent will gelernt sein. Stimmlage, Augenkontakt, Selbstvertrauen und die Einsicht, dass es nicht nur „einen richtigen Weg gibt, fordert Einsicht und Aufmerksamkeit“, erzählt Yorton.

Samuel Culbert ist Professor an der Anderson School of Management an der University of Los Angeles (UCLA). Er glaubt, dass vor allem Humor im Geschäftsleben bei wichtigen Entscheidungen heute eine viel zu kleine Rolle spielt. „Ein Witz an der richtigen Stelle bewirkt mehr als ein viel versprechender Chart bei einer Excel-Präsentation“, so Culbert.

So sieht es auch Second City. Ist doch City-Chef Andrew Alexander ein Mann des professionellen Humors. Er zeichnet für mehr als 185 TV-Komödien verantwortlich und arbeitet noch heute mit Stars wie Martin Short, Jim Belushi und Shelley Long zusammen. „Improvisierter Humor ist eine spontane Waffe gegen Stagnation. Die Welt der Unternehmen macht sich diese Waffe in den vergangenen zwei Jahren immer häufiger zu Nutze“, urteilt Alexander.

Auch Herb Kelleher, Chef von Southwest Airlines, einer der wenigen erfolgreichen Fluglinien in den USA, sieht hierin sein Erfolgsgeheimnis, seine Methode: „Wir haben Spaß in unserem Haus. Uns ist nie langweilig, dafür sorge ich persönlich.“ Tatsächlich lässt Kelleher Improvisation und Kreativität aufblühen wie sonst kaum ein US-Top-Manager. Flugbegleiter dürfen Passagiere Witze erzählen, ohne gleich abgemahnt zu werden. Und Kelleher selbst fordert schon einmal zum spontanen Kostümfest auf. „Southwest kümmert sich um seine Angestellten. Das Management ist flexibel und spontan. Ein in Stein gemeißelter Fünfjahresplan würde das nicht zulassen“, betont Kelleher. Managementexperte Culbert bestätigt: „Solche Organisationsformen machen den Erfolg von modernen Unternehmen aus.“

Und weil gerade junge Manager im Job Fehler aus Unerfahrenheit machen, hat Second City Communications ein Rollenspiel mit dem Namen „Professional Sports League“ erfunden. Junior-Marketing-Manager müssen sich in die Rolle eines Athleten versetzen, der vom Amateur- ins Profilager wechseln soll. Plötzlich tauchen nie da gewesene Probleme auf. Neues soziales Umfeld, neue finanzielle Herausforderungen, unvorhergesehene persönliche Veränderungen. „Mit Sketchen, Komödie und Rollenspielen müssen sich die Athleten in dem dreitägigen Workshop diesen Herausforderungen stellen. Steven Roach aus Los Angeles staunt: „Wir nahmen diese andere Persönlichkeit an, die mit unserem Beruf nichts zu tun hat, aber das Improvisieren hat mir tatsächlich geholfen, auf Fehler in meinem Job zu reagieren.“

Farzad Shingari ist Projektleiter einer großen Steuerberatung in Los Angeles. Er glaubt, dass sich seine Fähigkeit, sehr unterschiedlich strukturierte Mitarbeiter zu führen, enorm verbessert hat. „Heute kann ich mich besser und vor allem schneller auf verschiedene Mentalitäten einstellen kann.“ Yortons Fazit: „Ein Manager, der improvisieren kann und auch noch eine Prise Humor mitbringt, ist fast unschlagbar.“

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