Manager-Vergütung Inder übertrumpft die Autobosse

Der bestbezahlte Konzernchef Europas kommt nicht mehr von VW. Den Spitzenreiter stellt laut einer Studie die britische Reckitt Benckiser. Daimler-Chef Dieter Zetsche schafft es noch nicht einmal in die Top Ten.
Der CEO des Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser ist laut einer Studie der bestbezahlte Vorstandschef Europas. Quelle: Bloomberg
Rakesh Kapoor

Der CEO des Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser ist laut einer Studie der bestbezahlte Vorstandschef Europas.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtDer Inder Rakesh Kapoor ist der bestbezahlte Vorstandschef eines europäischen Großkonzerns. Der Chef des britischen Konsumgüter-Konzerns Reckitt Benckiser löste nach einer Studie der Vergütungsberatung hkp im vergangenen Jahr den zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn ab, der die Rangliste in den Jahren davor angeführt hatte.

Der 57-jährige Kapoor kam nach den Expertenberechnungen auf ein Gehalt von 17,8 Millionen Euro, auf den Plätzen folgen Carlos Brito von der Brauerei Anheuser-Busch (14,2 Millionen Euro) und Severin Schwan, der beim Schweizer Pharma-Konzern Roche 14,1 Millionen Euro bekam. Der bestbezahlte Vorstandschef im Dax kam 2015 erneut aus der Autoindustrie. Daimler-Chef Dieter Zetsche liegt mit 9,6 Millionen Euro europaweit aber nur auf Platz elf.

Die Vergütungsexperten von hkp hatten die Gehälter von Vorstands- und Aufsichtsratschef der 76 größten börsennotierten Unternehmen in Europa unter die Lupe genommen, darunter 14 aus Deutschland. Acht der zehn Top-Verdiener arbeiten für britische und Schweizer Konzerne. Für hkp-Partner Michael Kramarsch kommt das nicht überraschend. „Das sind die Länder, die am intensivsten über den Atlantik blicken“, sagte er am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist allerdings fraglich, ob die Briten nach dem Brexit ihre Spitzenposition halten können.“

Im Dow-Jones-Index der 30 größten US-Konzerne führte 2015 Walt-Disney-Chef Robert Iger mit umgerechnet 38 Millionen Euro. Der Durchschnittsverdienst der US-Konzernbosse liegt bei 15 Millionen Euro, vor allem weil die Boni dort 90 Prozent der Vergütung ausmachen. Die Fix-Vergütungen in Europa sind laut hkp im Schnitt sogar höher als in den USA.

Die Vorstandschefs der 14 deutschen Top-Unternehmen liegen im Schnitt bei 5,1 Millionen Euro und damit unter dem Mittel im Europa (6,5 Millionen). „Deutschland ist vom europäischen Niveau nicht weit weg – aber in Europa schauen alle staunend auf die USA“, sagte Kramarsch.

Das sind die Top-Verdiener unter den Dax-Chefs
Platz 30: Martin Blessing
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Die Lenker der großen Dax-Konzerne haben auch in Jahr 2015 Millionensaläre eingefahren. Der Chef der Commerzbank erhielt jedoch die niedrigste Vergütung aller Dax-30-Chefs – seine Bezüge sind auf 2,4 Millionen Euro gesunken. Im Vergleich zu 2014 (3,3 Millionen Euro) verdiente Blessing 28 Prozent weniger. Das Gefälle zwischen Platz 30 und Platz eins ist riesig – 8,4 Millionen Euro.

Quelle: Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung

Platz 29: Reinhard Ploss
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Der Chef des Halbleiterherstellers Infineon musste sich 2015 mit rund 2,9 Millionen Euro zufrieden geben. Immerhin: Im Vergleich zum abgelaufenen Jahr ist das ein Zuschlag von 24 Prozent. Bei den Gehältern wurden jeweils Grundvergütung, Boni sowie langfristige variable Vergütungsbestandteile zusammengerechnet.

Platz 28: Rolf Buch
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Im vergangenen Jahr verschmolzen Deutschlands größter Wohnungskonzern Deutsche Annington und der Konkurrent Gagfah zu der Immobiliengesellschaft Vonovia. Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender des fusionierten Unternehmens, verdiente 2015 3,3 Millionen Euro. Damit liegt er relativ weit hinten im Gehaltsvergleich.

Platz 15: Elmar Degenhart
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Mit einer Gesamtvergütung von 5,7 Millionen Euro belegt Elmar Degenhart Platz 15. Der Vorstandsvorsitzende der Continental AG verdiente im vergangenen Jahr lediglich zwei Prozent mehr als 2014 (5,6 Millionen Euro).

Platz 14: Ulf Schneider
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Der Chef des Pharmakonzerns Fresenius erhielt für seine Arbeit im Jahr 2015 rund sechs Millionen Euro. Das macht eine Steigerung von 37 Prozent (2014: 4,4 Millionen Euro).

Platz 13: Timotheus Höttges
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Höttges mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Cebit 2016: Das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom betrug im Vorjahr 6,1 Millionen Euro (2014: fünf Millionen Euro). Das macht eine Steigerung um 22 Prozent.

Platz 12: Frank Appel
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Die Deutsche Post verbuchte für das Jahr 2015 einen Gewinnrückgang. Davon spürte Vorstandschef Frank Appel allerdings nur wenig. Mit einer Jahresvergütung von 6,1 Millionen Euro ging er nach Hause. Im Vergleich zu 2014 ist das ein Minus von sechs Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Vergütungen der führenden Konzern-Chefs in Europa um knapp zehn Prozent gestiegen, während die Nettogewinne um 18 Prozent schrumpften. Kramarsch sieht den Grund darin, dass die Gehälter bei schlechten Geschäftszahlen weniger stark sinken als sie bei guten steigen. Im Fünf-Jahres-Vergleich verdienten die Firmenchefs der Studie zufolge aber nur sechs Prozent mehr – das ergibt eine jährliche Steigerung von gerade 1,4 Prozent.

Bei den Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratschefs klaffen die Vergütungs-Unterschiede weiter auseinander als im Vorstand. Der Spitzenreiter, Nestlé-Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe, lag 2015 bei 6,1 Millionen Euro, sein Kollege Georges Plassat kam beim französischen Einzelhändler Carrefour auf 52.000 Euro. Die ersten fünf Plätze werden von Konzernen aus der Schweiz besetzt. „Dass das Amt als Verwaltungsratschef dort als Full-Time-Job gilt, kann das nur teilweise erklären“, sagte Kramarsch.

  • rtr
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