Manager wissen mehr
Die dritte Partei im Übernahmepoker

Wer die Rechnung ohne die Manager macht, beißt schnell auf Granit. Das war im Juli in Frankfurt zu beobachten, als die niederländische ING für ihre verlustreiche Tochter ING BHF-Bank in Frankfurt einen neuen Eigner suchte. Die Commerzbank war interessiert, doch die BHF-Manager, über deren Köpfe hinweg verhandelt worden war, stemmten sich mit Händen und Füßen gegen die Übernahme.

HB DÜSSELDORF. Ihr Widerstand trug erheblich dazu bei, dass die Commerzbank ihr Gebot schließlich verschnupft zurückzog.

Eine Ausnahme ist dieser Fall nur, weil das Verhalten der Manager öffentlich wurde. Dass Unternehmenseigner und -lenker nicht an einem Strang ziehen, ist bei Fusionen aber eher die Regel, sagt Ronald Weihe, Vice President Corporate Finance beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. „In der Praxis stellen wir immer wieder fest, dass es Interessenkonflikte zwischen Eigentümern und Managern gibt, die so gravierend sind, dass sie den Verkauf gefährden.“

Wenn auch die so genannten feindlichen Übernahmen die größeren Schlagzeilen machen, sind Übernahmen ohne Publikumsaktionäre weitaus häufiger. In der Regel sind sich dabei Eigner und Interessenten einig. Doch oft schießt dann die dritte Partei, das Management, quer. Gegen die Manager eines Unternehmens aber sei ein Verkauf kaum zu stemmen, sagt Weihe.

Der Fusionsexperte begleitet seit sieben Jahren Übernahmen und Zusammenschlüsse. Zudem befragte er zusammen mit dem Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Banken der Universität Duisburg-Essen 64 Übernahmeberater nach ihren Erfahrungen. Das Ergebnis: Die Behebung dieser Konflikte ist ein viel zu wenig beachteter Erfolgsfaktor bei Fusionen. Fast jeder vierte der befragten Berater verzeichnet „meistens“ Interessenkonflikte, 59 Prozent erlebt sie „gelegentlich“. 60 Prozent der Befragten beobachteten extrem nachteilige Auswirkungen wie sinkende Verkaufspreise, wenn Manager und Eigentümer gegeneinander arbeiten, 35 Prozent bemerkten kleinere Nachteile wie zeitliche Verzögerungen.

Die Manager beeinflussen das Geschäft in allen Phasen. Sie kennen die Stärken und Schwächen des Unternehmens und wissen oft mehr als Gesellschafter. „Das Management leistet in vielen Verkaufsprozessen einen entscheidenden Beitrag zur Präsentation des zu veräußernden Unternehmens“, bestätigt Bruno Hohmann, Projektleiter bei der auf Übernahme-Transaktionen spezialisierten Beratungsgesellschaft Klein & Coll in Darmstadt. Es entscheide, welche Informationen es bei der Unternehmensbewertung in den Vordergrund stelle und welche es verschweige, sagt Hohmann.

Deshalb ist es unumgänglich, beim Unternehmensverkauf die betroffenen Manager mit ins Boot zu holen: Auch wenn sie eigentlich loyal dem Eigner zur Seite stehen sollten, gibt es für die Manager aus ihrer Warte oft gute Gründe, sich gegen die Übernahme zu wehren. Dass zum Beispiel nach den enttäuschenden Quartalszahlen bei Hewlett-Packard im August Köpfe rollen würden, war für Branchenkenner keine Überraschung. Aber als es Peter Blackmore, Kasper Rorsted und Jim Milton erwischte und damit gleich drei ehemalige Compaq-Manager als Sündenböcke gefeuert wurden, sahen sich diejenigen bestätigt, die glauben, dass vor allem die ehemaligen Compaq-Beschäftigten die Übernahme ihres Unternehmens durch HP bezahlen müssen.

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