Managergehälter
Wer verdient, was er bekommt

Der Versuch, per Gesetz das Gehalt von Vorständen zu reglementieren, schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das befürchten Experten aus der Finanzbranche, die beim Frankfurter Gespräch des Handelsblatts das Thema Managementvergütungen diskutierten.

FRANKFURT. "Wir dürfen kein bürokratisches Monster schaffen", sagt Norbert Enste, Gesellschafter beim Bankhaus Metzler. Groß ist vor allem die Angst, der Eingriff der Politik könnte dazu führen, dass Top-Manager abgeschreckt werden und ins Ausland - insbesondere die USA und Großbritannien - abwandern. "Mit einer gesetzlichen Regelung nur für Deutschland kommen wir nicht voran, ganz im Gegenteil. Wenn überhaupt brauchen wir eine europäische, besser eine globale Lösung", sagt Heinz Laber, Mitglied des Vorstandes der Hypo-Vereinsbank.

Heute will die Regierungskoalition nach langem Hin und Her das sogenannte "Gesetz zur Angemessenheit von Vorstandsbezügen" (VorstG) verabschieden. Es ist der politische Versuch, eine Frage zu beantworten, die spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise kontrovers diskutiert wird: Sind die Vergütungsstrukturen für Führungskräfte in der Finanzbranche verantwortlich für das Desaster am Finanzmarkt? In der öffentlichen Kritik stehen vor allem Vorstände. Ihnen wird vorgeworfen, mit hochspekulativen Geschäften die weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst zu haben. "Der relativ hohe Anteil erfolgsabhängiger Zahlungen bei den bestehenden Vergütungssystemen hat mit dazu geführt, dass immer größere Risiken in Kauf genommen wurden", sagt Christine Kuhl von Odgers Berndtson.

Von einer gesetzlichen Deckelung ist die Koalition inzwischen abgerückt; jetzt geht es darum, langfristige Erfolgskriterien stärker zu verankern und Bezüge von Vorständen "angemessen" zu gestalten. Außerdem sollen durch mehr Transparenz Auswüchse verhindert werden. So wird beispielsweise der gesamte Aufsichtsrat künftig über Vergütungsstrukturen entscheiden - und nicht nur ein besonderer Ausschuss.

Uwe Foullong, Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes und dort zuständig für die Finanzbranche, begrüßt den Plan der Bundesregierung. Die Vorgaben, die das Aktiengesetz bislang liefere, seien viel zu schwammig, kritisiert der Gewerkschafter. Deshalb müsse der Begriff der "Angemessenheit" konkretisiert werden. Das geplante Gesetz sei ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem aber werte es die Arbeit der Aufsichtsräte auf. Foullong plädiert allerdings dafür, eine Obergrenze für Vorstandsbezüge festzulegen. "Das Gehalt des Chefs muss in Relation zu dem des Angestellten stehen."

Thomas Haussmann von der Unternehmensberatung Watson Wyatt hält davon gar nichts. "Eine Gehaltsobergrenze würde die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland massiv beeinträchtigen, sofern nicht alle anderen Länder mitmachen. Das aber ist nicht zu erwarten." Sinnvolle Strukturvorschriften seien besser als Obergrenzen, sagt Haussmann.

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