Managerhaftpflicht
Die Mauer des Schweigens

"D&O? Kein Kommentar.“ Wer im Hause Siemens dieser Tage wissen will, ob der Konzern gegen die schlimmen Folgen des Schmiergeldskandals eine Versicherung abgeschlossen hat, der stößt auf eine Mauer des Schweigens. Kein Wunder, denn die Haftpflicht für Manager ist ein heikles Geschäftsfeld. Der gute Ruf von Unternehmen und ihren Spitzenmanagern steht auf dem Spiel – und fast immer geht es um Millionen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Das ist für den, der die Dimension des Schwarzgeld-Skandals bei Siemens und die grundsätzlichen Problematik der D&O kennt, der „Directors and Officers Liability“, alles andere als ein Wunder. Denn in der Beziehung zwischen Versicherern und ihren Großkunden zählen die D&O-Policen seit jeher zu den heikelsten Geschäftsfeldern. Der Bereich ist hochsensibel, der gute Ruf von Unternehmen und ihren Spitzenmanagern steht auf dem Spiel – und fast immer geht es um Millionen.

Beispiel Siemens: Laut Angaben aus Münchener Industriekreisen belastet alleine der Einsatz der amerikanischen Anwälte, die die Siemens-Konzernstrukturen mit Billigung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC untersuchen, den Konzern im laufenden Geschäftsjahr mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Leute, die sich gut mit dem Sachverhalt auskennen, berichten, Tag für Tag kosteten die Anwälte den Technikkonzern 500 000 Euro. Und das ist noch nicht alles: die Ermittlungen sollen mindestens zwei Jahre dauern.

Damit könnte der Fall Siemens auch zu einer der ganz großen Fälle von Managerhaftplicht hier zu Lande werden. „Der ganze Komplex wird derzeit von den beteiligten D&O-Versicherern geprüft“, bestätigen mit dem Fall vertraute Branchenvertreter Informationen des Handelsblatts.

Welche Dimension die Ermittlungen von US-Anwälten im Auftrag der Justizbehörden annehmen können, zeigt das Beispiel Daimler-Chrysler. Dort ermitteln, wie bei Siemens, US-Juristen mit Billigung der amerikanischen Behörden seit fast drei Jahren. Bis zu 100 Anwälte und Wirtschaftsprüfer durchleuchten seit Ende 2004 den Konzern und berichten im Wochenrhythmus nach Amerika. Das Verfahren ist noch immer nicht abgeschlossen; es hatte für den Autokonzern aber Hunderte von Millionen Euro an Kosten und den Verlust zahlreicher Führungskräfte zur Folge.

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