Managerhaftung
Direktanspruch birgt einige Tücken

Angeblich auf Wunsch der Unternehmen führen Versicherer vereinzelt einen Direktanspruch des Versicherungsnehmers in der D&O-Versicherung ein. Für Unternehmen wäre dies die bessere Lösung. Doch was dem Unternehmen dient, ist für seinen Vorstand nicht automatisch gut.

DÜSSELDORF. Aus Managersicht erscheint die bisherige Praxis sinnvoller, erst den Schadenersatzanspruch gegen den Manager durchzusetzen und im Anschluss den Versicherer in Anspruch zu nehmen. Die Versicherten wissen aber häufig nicht, worauf sie sich einlassen.

Mit dem ab Januar 2008 geltenden Versicherungsvertragsgesetz (VVG) können die versicherten Personen nach Neuabschluss ihre Ansprüche gegen den Versicherer anerkennen und abtreten. Der hierzulande übliche D&O-Fall ist die Schädigung der Gesellschaft durch ihren Manager. Erkennt nach dem neuen VVG der Manager den Anspruch des Unternehmens gegen ihn an, und tritt er seine Ansprüche aus der zu seinen Gunsten abgeschlossenen D&O-Versicherung an die Gesellschaft ab, so wandelt sich nach überwiegender Meinung der abgetretene Anspruch in einen direkten Zahlungsanspruch der Gesellschaft gegen den Versicherer um. Um dieser auf den ersten Blick kompliziert anmutenden Konstruktion vorzugreifen, beabsichtigen vereinzelt Versicherer dem Unternehmen für diese Fälle einen direkten Anspruch einzuräumen.

Für das Unternehmen wäre das praktisch, doch die Interessen der Manager, die als versicherte Personen die Begünstigten der Police sein sollten, geraten in den Hintergrund. Das Problem: Es gibt nur ein einziges Verfahren. An dessen Ende steht bloß das Ergebnis, ob mögliche Ansprüche der Gesellschaft vom Versicherungsvertrag gedeckt sind oder nicht. Gewinnt die Gesellschaft, ist das weniger problematisch.

Die Deckungsansprüche unterliegen jedoch nicht den gleichen Regeln wie die Schadenersatzansprüche des Unternehmens gegen ihren Manager. Das heißt, der Schadenersatzanspruch gegen den Manager könnte gegeben sein, während keine oder nur teilweise Deckung besteht. Zumindest Aktiengesellschaften wären verpflichtet, den Schadenersatzanspruch auch ohne Deckung durchzusetzen.

Das vorgezogene Verfahren gegen den Versicherer würde zwar das Ergebnis des Schadenersatzverfahrens gegen den Manager nicht bestimmen, aber wohl zu seinen Lasten beeinflussen. Meist ist dem Manager zum Zeitpunkt des Verfahrens nicht klar, dass er sich mit dem Versicherer gemeinsam gegen die behaupteten Schadenersatzansprüche verteidigen sollte, nachdem hier nur der Versicherungsschutz festgestellt werden muss. Dachte er zunächst, das Wohl des eigenen Unternehmens im (verlorenen) Prozess gegen den Versicherer unterstützt zu haben, muss die Gesellschaft im anschließenden Schadenersatzprozess die Argumente gegen ihn verwenden.

Mark Wilhelm ist Rechtsanwalt bei Wilhelm Rechtsanwälte.

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