Managerriege zurechtgestutzt
Einmal Großvater und zurück

Den rührigen, zweifachen Großvater Harry Stonecipher holte man nach 18 Monaten aus seinem Ruhestand zurück, damit er den krisengeschüttelten US-Giganten Boeing saniert. Jetzt räumt der Luftfahrtveteran bei dem Konzern auf – mit Erfolg.

DÜSSELDORF. Es gibt Unruheständler, die holt man voller Energie und frisch gebräunt vom Golfplatz ins Unternehmen zurück – und alle Routine nutzt nichts: Erich Ribbeck war so einer. Unter seiner kurzen Regie schied die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der EM 2000 noch weit kläglicher aus als Rudi Völlers Truppe in diesem Sommer.

Es gibt aber auch Typen, die graben mit fast 70 Jahren noch akribisch und erfolgreich einen der weltgrößten Konzerne um, obwohl mit der Familie längst besprochen war, allenfalls noch am eigenen Handicap, aber nicht mehr in der Firma arbeiten zu wollen. In diese Kategorie gehört Harry Stonecipher. Als die Führungsspitze des amerikanischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Boeing im Winter 2003 eine peinliche Affäre nach der anderen beichten musste, hatte Stonecipher gerade 18 Monate Ruhestand und 200 Runden Golf hinter sich. Sie brachten eine respektable Verbesserung seines Handicaps auf 15. Dann kam der Anruf aus Chicago. Seitdem sitzt der zweifache Großvater im 36. Stock des Boeing-Hauptquartiers und erledigt Hausarbeiten von frühmorgens bis abends: aufräumen, kehren, unnütze Sachen verkaufen. Sanieren halt.

Darüber hinaus muss Stonecipher eine selbstverliebte Manager-Riege zurechtstutzen, die er in der zweiten Führungsebene bereits von 28 auf zwölf Personen reduziert hat. Den verbliebenen Leistungsträgern begegnet er mit forschen E-Mails, die komplett IN GROSSBUCHSTABEN gehalten sind. „Ich musste den Leuten erst den Unterschied zwischen einem Meeting und einer Party erklären“, sagte er kürzlich in einem Handelsblatt-Interview.

Mit seinem ergrauten und brav nach hinten gescheitelten Haar sowie der großen runden Brille wirkt Stonecipher auf den ersten Blick wie ein netter Opa aus der Fernsehwerbung – irgendwie zum Knuddeln. Dabei müssen die Boeing-Gewerkschaften ihren „Dirty Harry“ auch im Alter von 68 noch mehr fürchten als die Schließung der nächsten Flugzeug-Baureihe: Schon als Stonecipher noch die Strippen im Boeing-Aufsichtsrat zog, war er ihr Hauptfeind. Als die Ingenieure 2001 in einen sechswöchigen Streik zogen, stellten sie ein tragbares Toilettenhäuschen vor die Zentrale. Aufschrift: „Harry’s Office“.

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