Managervergütung
Siemens-Chef Löscher wieder ein Spitzenverdiener

Die Rekordgewinne der Dax-Konzerne führen ganz nebenbei auch zu steigenden Vergütungen der Manager. Allerdings lassen sich in diesem Jahr die Bezüge der Vorstände wegen des 2009 verabschiedeten Angemessenheitsgesetzes schwer prognostizieren.
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DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Siemens-Chef Peter Löscher steigt in diesem Jahr wieder zu den bestbezahlten Vorstandschefs auf. Nach Informationen des Handelsblatts wird er rund zehn Millionen Euro kassieren und damit seinen Rekord von 2008 (10,9 Millionen Euro) fast erreichen. Löscher profitiert von der außerordentlich guten Geschäftsentwicklung. Der Nettogewinn des Technologiekonzerns stieg um 63 Prozent auf vier Milliarden Euro.

Siemens wird am Donnerstag als einer der ersten Dax-Konzerne seinen Vergütungsbericht offenlegen. Das Geschäftsjahr endet im September. Gerade publiziert, aber nicht in der Spitzengruppe liegen die Bezüge von Infineon-Chef Peter Bauer (2,2 Millionen Euro) und Ekkehard Schulz (3,4 Millionen Euro), dem scheidenden Thyssen-Krupp-Vorstandsvorsitzenden. Alle übrigen Dax-Konzerne legen Vergütungsberichte erst im Frühjahr 2011 vor.

Klar ist aber schon jetzt, dass die Top-Positionen im Gehaltsranking für das Geschäftsjahr 2010 hart umkämpft sein werden. Fast alle Unternehmen verzeichnen Rekordergebnisse, was auch zu steigenden Vergütungen führt. Der Gewinnzuwachs im Dax wird auf durchschnittlich 80 Prozent geschätzt.

Favoriten für die Spitze sind – abgesehen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Finanzsektor – Wolfgang Reitzle (Linde), Martin Winterkorn (Volkswagen) und die SAP-Doppelspitze aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. Jürgen Großmann (RWE), zuletzt Spitzenverdiener unter den Industriebossen, dürfte 2010 wegen der Ertragslage in der Energiewirtschaft nicht ganz so gut abschneiden.

Der Linde-Chef dagegen steuert einen operativen Rekordgewinn von knapp drei Milliarden Euro an. Im Jahr 2008, als der Gasehersteller 2,6 Milliarden Euro verdiente, erhielt Reitzle 8,4 Millionen Euro. Allerdings lassen sich die Bezüge der Vorstände in diesem Jahr schwer prognostizieren. Grund ist das im August 2009 verabschiedete Angemessenheitsgesetz zur Vorstandsvergütung. Das fordert mehr Nachhaltigkeit in der Bezahlung und mehr langfristige Ausrichtung. Daraufhin haben viele Konzerne ihre Vergütungssysteme umgebaut.

Teilweise gelten Altverträge wegen des Vertragsschutzes weiter. Teilweise sind aber seit Jahresbeginn die neuen Systeme gültig. So muss sich VW-Chef Winterkorn (2009: 6,6 Millionen Euro) neben betriebswirtschaftlichen Kennziffern nun auch an der Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit messen lassen. Weitere Erfolgsbeteiligungen, die sich etwa an Rendite messen, werden vielen Managern nicht mehr sofort ausgezahlt, sondern auf drei und mehr Jahre gestreckt.

Vorstandsbezüge waren 2009 noch zu einem Drittel Fixum, 40 Prozent erfolgsabhängig und kurzfristig variabel, der Rest langfristig oder aktienbasiert.

Für den gesamten, achtköpfigen Siemens-Vorstand werden die Bezüge denn auch nicht wie der Gewinn steigen. Die Topriege um Löscher dürfte knapp 35 Millionen nach 27,3 Millionen Euro im Jahr zuvor kassieren. Das wären 28 Prozent plus. Für Löscher selbst ist bei elf Millionen Euro Schluss. Dann wird die Vergütung gekappt. Egal, wie hoch er den Siemens-Gewinn treibt.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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