Manche Manager verursachen Chaos
Wer bevormundet, ist Produktivitätskiller

Wer verhindert, dass Unternehmen so produktiv sind wie möglich? Die neue Produktivitäts-Untersuchung von Proudfoot Consulting hat die Antwort gefunden: Es sind weder faule noch häufig kranke Mitarbeiter, sondern die Manager. Weil sie es sind, die falsch planen, schlecht anleiten oder Chaos anrichten. Zum Beispiel wenn sie sehr kurzfristig Konferenzen absagen oder anberaumen, ist den wenigsten klar, was sie damit wirklich anrichten.

HB DÜSSELDORF. Oder indem sie sehr viel mehr Zeit aufwenden, um selbst Berichte auszufüllen und an anderen administrativen Tätigkeiten arbeiten als proaktiv die Mitarbeiter zu führen und zu coachen, damit manche Probleme gar nicht erst entstehen. Solche Alltagsfehler sind es aber zu 72 Prozent (Deutschland: 69 Prozent), die laut Proudfoot-Untersuchung in der Summe jährlich 74 Arbeitstage je Mitarbeiter in Unternehmen verschwenden. Und die machen in Deutschland immerhin 158 Milliarden Euro, also 7,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Rund 1 700 Unternehmen hat das Beratungsunternehmen weltweit analysiert. Untermauert hat es die Untersuchung mit einer Gallup-Umfrage unter 925 Führungskräften weltweit. Zum Vergleich: Deutschland und Amerika kommen mit einem Fünftel verlorener Arbeitszeit auf die geringsten Produktivitätsverluste, Ungarn dagegen auf die meisten gefolgt von Österreich.

Die Studie im Detail: Auffällig ist, an welches Heilmittel Manager glauben. Andreas Wurst aus Wien, Marketing-Europachef bei Proudfoot und verantwortlich für die Produktivitätsstudie führt aus: „Die Führungskräfte glauben, dass sie durch Kapitaleinsatz die Produktivität steigern können, tatsächlich ist es aber das Führungsverhalten.“ Deutsche und Österreicher zum Beispiel kontrollieren in erster Linie und sehen darin auch ihre Hauptaufgabe. „Eigentlich könnte dies im Sinne eines Coaching sehr effizient fürs Unternehmen sein. Jedoch gleitet die Kontrolle fast immer in eine Bevormundung ab und wird so zu einem echten Produktivitätskiller.“ Dies trifft, so Wurst, insbesondere auf die Manager in mittlerer Ebene zu. Mehr noch: „Gute Lösungen gibt es oft schon in den Köpfen und Schubladen der Mitarbeiter. Die werden aber oft ausgebremst oder die Ideen unterschlagen von deren Chefs.“ Häufiger Grund: Managern ist oft ihre Abteilungsegoismus und die eigenen Karriere wichtiger als der Nutzen des gesamten Unternehmens.

Des weiteren: Die eigenen Fehler und selbst verursachte Schäden unterschätzen die Manager gern. Die Probleme aus anderen Bereichen wie etwa der IT oder der Kommunikation innerhalb des Unternehmens überschätzen sie dagegen. Acht Prozent der Produktivitätsverluste gehen auf das Konto der ineffektiven Kommunikation: Indem technische Fachausdrücke benutzt werden statt einfacher Begriffe, durch das Senden von E-Mails statt zu telefonieren oder durch unklare Definition der Unternehmensziele.

Daniel Pinnow, Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte ergänzt: „Manager müssen heute Kommunikationsprofis sein“. Sie können sich nicht mehr hinter Arbeitsanweisungen verstecken. Mitarbeiter wollen direkte Kommunikation mit dem Chef.“

Doch Führungskräfte verplempern ihre Zeit auch untereinander. Wurst: „Manager schauen immer noch zuerst auf ihre eigene Absicherung, stellen Kollegen ein Beinchen und veranstalten gerne Ränkespiele.“ Insbesondere auf das Konto von überflüssigen Meetings gehen Produktivitätsverluste, weiß er.

Neu ist, so die Studie, dass der Vertrieb jetzt in den Fokus gerät. Heraus kam, dass nur zehn Prozent der Arbeitszeit auf aktiven Verkauf entfallen. „Ein Armutszeugnis“, attestiert Wurst. Der Rest sind Fahrzeiten und Berichte für den Verkaufsleiter schreiben. Galt der Vertrieb als sensibler Bereich, der tunlichst nicht anzurühren war, damit die Mitarbeiter nicht kündigen und ihr Wissen zur Konkurrenz tragen. Deren Produktivität blieb weitgehend unkontrolliert, anders als etwa die Fertigung. Das ändert sich jetzt: In den USA sind die Firmen heute so schlank, dass der Wettbewerbsvorteil nicht mehr in der Produktion entstehen, sondern draußen beim Kunden. Was fehlt, sind Aufträge.

Auch Jochen Vogel, Deutschlandchef von Proudfoot Consulting fürchtet: „Leisten sich Unternehmen solche Schwächen, werden sie als Übernahmekandidat leichte Beute für ausländische Investoren. Die sind scharf auf solche Betriebe und wissen die Schätze zu heben.“ Von diesen offenen Flanken ahnen die Unternehmenslenker oft nichts.

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