Manfred Bischoff
Ein loyales Arbeitspferd

Martin Bischoff gilt als echtes Urgestein bei Daimler. Jetzt wird der Aufsichtsratschef 70. Eine der wichtigsten Entscheidungen steht ihm aber noch bevor.
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Frankfurt, Stuttgart.Die für den heutigen Samstagabend geplante Feier zu seinem 70. Geburtstag im Mercedes-Benz Classic Center in Stuttgart dürfte ein beherrschendes Gesprächsthema haben: die neuen Kräfteverhältnisse beim Autokonzern Daimler.

Das wird den Jubilar selbst, Manfred Bischoff, Aufsichtsratschef von Daimler, wahrscheinlich am wenigsten stören. Er ist ein echtes Daimler-Urgestein – und wie sagte er einmal wenig eitel über sich selbst: „Ich bin mehr Arbeitspferd denn Zirkuspferd.“

Der promovierte Volkswirt, der 2007 den Chefkontrolleursposten in Stuttgart übernahm, hat schon andere schwierige Situationen gemeistert. So war er als Chef der Ex-Daimler-Luftfahrttochter Dasa einer der Architekten des im Jahr 2000 gegründeten deutsch-französischen Luftfahrtkonzerns EADS – und meisterte auch in seiner späteren Funktion als Chairman dort alle politischen Klippen.

Der gebürtige Schwarzwälder, der ein Haus am Tegernsee hat, gilt als klug, fleißig, loyal – und, wenn nötig, beinhart. Kollegen loben seine sachliche, ausgeglichene Art. In der Finanzszene sieht mancher seine langjährige Erfahrung und Nähe zum Konzern skeptisch, Experten zollen ihm aber vor allem für seine Expertise großen Respekt.

Sein Aufstieg ist eng mit dem von Ex-Konzernchef Jürgen Schrempp verbunden, der einst die Fusion von Daimler und Chrysler verantwortete. Bischoff beginnt im Jahr 1976 seine Karriere bei Daimler. Er startet als Projektkoordinator für die Zusammenarbeit mit Steyr-Daimler-Puch und war für den Geländewagen „G“ zuständig. Er steigt rasch auf. Ende der 80er-Jahre wechselt er in die Luftfahrtsparte, ab 1995 sitzt er im Vorstand des Konzerns. Erst 2003 scheidet er als Finanzvorstand aus und wird zum Delegierten für Luft- und Raumfahrt ernannt.

Wenn Bischoff auftritt, dann im dunklen Anzug, die Haare zur Seite gekämmt, den Schnauzer akkurat gestutzt. Er könnte einen veritablen Daimler-Vorstandschef geben. Aber das war er nie. Dafür hält er den Konzern heute zusammen – und nicht nur den.

Bischoff ist ein Multiaufsichtsrat. Er sitzt unter anderem noch in den Gremien des Flughafenbetreibers Fraport und der italienischen Großbank Unicredit.

Seine wichtigste Entscheidung steht dabei noch bevor – und die wird bei den möglichen neuen Kräfteverhältnissen nicht einfacher: Bischoff wird mitentscheiden, wer die Nachfolge von Daimler-Chef Dieter Zetsche antritt.


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