Mangel an Profis Insolvenzen: Sanieren statt abwickeln

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Planerprobt sind zumindest die Mitglieder des Gravenbrucher Kreises, in dem sich 23 führende Insolvenzverwalter wie Siegfried Beck, Volker Grub, Bruno Kübler und Michael Pluta zusammengeschlossen haben. Doch selbst diese Vereinigung sieht sich gezwungen, auf die wachsende Kritik am Insolvenzverwalter-Gewerbe zu reagieren. Im Sommer soll eine eigene Zertifizierung vorgestellt werden, die über bisherige Qualitätssiegel hinausgeht.

Das Können der Insolvenzverwalter wird umso wichtiger, als immer mehr Großpleiten die Öffentlichkeit beschäftigen. Die Krise von Warenhäusern (Hertie, Woolworth) und Autozulieferern (Edscha, Karmann, TMD Friction) scheint nur ein Vorgeschmack. Experten rechnen 2009 mit 35 000 Unternehmensinsolvenzen. 2007 waren es 28 000.

So viele Pleiten bieten auch Chancen. Die Investmentbank Rothschild rekrutiert aktiv Krisenspezialisten, die vor oder nach einer Insolvenzanmeldung aktiv werden, auch Morgan Stanley und Credit Suisse bauen ihre Abteilungen aus. Als weltweit größter Anbieter von Restrukturierungsleistungen gilt Houlihan Lokey. Aber auch kleinere Boutiquen wie Corporate Finance Partners haben sich in Deutschland in diese Nische vorgearbeitet. Besonders aktiv ist die Frankfurter Investmentbank Freitag & Co., die aktuell eine ganze Reihe von großen Fällen betreut.

Die Investmentbanker sind meist schon da, bevor der Insolvenzverwalter gerufen wird. Oft geht es darum, die Gläubiger davon zu überzeugen, sich ohne behördliche Aufsicht zu einigen. "Dept to Equity" lautet das Schlagwort, unter dem Finanzberater, Insolvenzexperten und selbst der Bundeswirtschaftsminister derzeit Modelle diskutieren, mit denen angeschlagenen Unternehmen noch vor einer Insolvenz geholfen werden kann. Gläubiger erhalten dabei für den Verzicht auf Forderungen Anteile des Unternehmens. Auch die Unternehmensberatung Roland Berger ist bei der Vermeidung von Insolvenzen seit Jahren aktiv - und das Geschäft nimmt rapide zu. Nach Angaben von Sascha Haghani, Leiter Finance bei Corporate Finance, waren 2000 zehn Prozent seiner Fälle Rekapitalisierungen. 2009 sind es mehr als 50 Prozent.

Selbst wenn die Insolvenz nicht verhindert werden kann, bleiben Unternehmensberater und Investmentbanker im Krisenteam. "M&A-Berater werden in größeren Verfahren gebraucht, um einen geordneten Investorenprozess darzustellen und zu dokumentieren", sagt Insolvenzverwalter Michael Jaffé, der aktuell für den Chiphersteller Qimonda im Einsatz ist. Mit solchen Dokumentationen wollen sich Insolvenzverwalter auch gegen Schadensersatzansprüche wappnen.

Genau diese "Verrechtlichung eines wirtschaftlichen Problems" ist für Branchenkritiker Haarmeyer der Knackpunkt. Das "System der Haftungsvermeidung" produziert nach seiner Meinung nur Kosten - zu Lasten der Gläubiger. Haarmeyer: "Es ist doch skandalös wenn im Durchschnitt zwei Drittel des Gläubigervermögens für Verwaltungs- und Verwertungskosten draufgehen."

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