Mannesmann-Prozess
Millionenprämien mit kleinen Schönheitsfehlern

Im Mannesmann-Prozess hat ein Aktienrechtler die umstrittenen Millionen-Prämien trotz einiger "Schönheitsfehler" als insgesamt "in Ordnung" bezeichnet. "Ich habe da kein Problem gesehen", sagte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Gerd Werner Krieger, den Mannesmann im Jahr 2000 mit einer rechtlichen Prüfung der Zahlungen beauftragt hatte, am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht.

HB DÜSSELDORF. Die Prämien stehen im Mittelpunkt der Neuauflage des Prozesses, dessen Ausgang vor allem für die berufliche Zukunft des mit angeklagten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von größter Bedeutung ist. Ackermann und den fünf anderen Angeklagten wird Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Mannesmann war im Jahr 2000 vom Konkurrenten Vodafone übernommen worden. Die Gelder waren im Zuge der Übernahme unter anderem an den damaligen Mannesmann-Chef und jetzigen Angeklagten Klaus Esser geflossen.

Krieger hatte im Auftrag von Mannesmann am 7. März 2000 an einem Gespräch mit Wirtschaftsprüfern der KPMG teilgenommen, die Bedenken gegen die Prämien geltend gemacht hatten. Die Prüfer hätten bei dem Gespräch bemängelt, dass es keine vertragliche Grundlage für die Zahlung an Esser gebe, berichtete Krieger. Er habe dies indes als rein formelles Problem angesehen, da die Prämien auf Beschlüssen des Aufsichtsrats basierten. Er habe die Zahlungen wegen der deutlichen Steigerungen des Mannesmann-Aktienkurses als gerechtfertigt angesehen: "Der Börsenkurs stand im Mittepunkt." Die Frage, ob die Zahlungen einen Anreiz für künftige Leistungen boten, habe er sich aber nicht gestellt: "Dies war mir von Mannesmann nicht mit auf den Weg gegeben worden."

Der Bundesgerichtshof hatte die Freisprüche für die sechs Angeklagten vor einem Jahr aufgehoben. Das Karlsruher Gericht argumentierte, die an scheidende Manager geflossenen 57 Mill. Euro seien für Mannesmann "ohne jeden Nutzen" gewesen. Sie hätten keine Anreize für künftige Leistungen geboten. Sonderzahlungen, die nur belohnenden Charakter hätten, seien als "Verschwendung des anvertrauten Gesellschaftsvermögens" zu werten. Ackermann hatte die Prämien als Mitglied des Mannesmann - Aufsichtsratspräsidiums mit bewilligt. Der Chef der Deutschen Bank hatte in seiner Aussage vor dem Gericht bereits versucht, den Vorwurf der Untreue zu entkräften.

Krieger räumte auf Nachfragen des Gerichts ein, angesichts der Höhe der Prämien habe er persönlich "Bauchschmerzen" gehabt. Er habe aber nicht gesagt: "Das geht nicht." Bei der Prämie für den ebenfalls angeklagten damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk sei er sich aber mit der KPMG einig gewesen, dass der Beschluss für dessen Zahlung nichtig gewesen sei. Denn Funk hatte seine Prämie mit gebilligt. Als Ausweg sei vorgeschlagen worden, abzuwarten, bis Funk aus dem Aufsichtsrat scheidet und dann neu abzustimmen. Dies war später auch geschehen. In einem Vorgespräch gemachte Vorschläge, Funk als Alternative mit einem millionenschweren Beratervertrag auszustatten, seien abgelehnt worden: Grund dafür sei die Auffassung gewesen, dass Funk "von Telekommunikation nichts versteht".

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