Mannesmann-Prozess
Straffrei für ein paar Millionen Euro

Der spektakulärste Wirtschaftsprozess Deutschlands hat am Freitag eine überraschende Wendung genommen: Josef Ackermann und die anderen fünf Angeklagten im Mannesmann-Prozess können das Verfahren voraussichtlich mit der Zahlung einer millionenschweren Geldauflage beenden. Damit dürfte sich der Durchhaltewillen des Deutsche-Bank-Chefs auszahlen.

HB DÜSSELDORF. Zwar bleibt der mächtige Manager regungslos, als sein Anwalt Eberhard Kempf am Freitag die Einstellung des Mannesmann-Rechtsstreits gegen Zahlung einer Geldauflage beantragt. Doch innerlich muss Ackermann ein ganzer Steinbruch vom Herzen gefallen sein: Die regelmäßig aufkeimenden Spekulationen um seinen Rücktritt als Chef von Deutschlands größtem Geldhaus dürften nun bald ein Ende haben. "Ich bin nicht jemand, der da aufgibt, sondern wir kämpfen", ließ der 58-Jährige seine Kritiker im vergangenen Jahr wissen.

Dass er nun - stimmt das Gericht dem Antrag zu - eine Geldauflage von 3,2 Mill. Euro zahlen muss, dürfte Ackermann kaum stören. Zu Auftakt des zweiten Mannesmann-Verfahrens Ende Oktober hatte der Schweizer sein Jahreseinkommen auf 15 bis 20 Mill. Euro beziffert. Viel wichtiger ist, dass er mit einer Einstellung nicht rechtskräftig verurteilt wäre und damit seinen bis 2010 laufenden Vertrag als Vorstandschef der Deutschen Bank erfüllen kann. "Ich glaube, mit dieser Lösung ist Ackermann zufrieden", sagt einer, der mit ihm zusammenarbeitet. "Und er hat dabei ein gutes Gefühl."

Manager mit Licht und Schatten

"Ein Freispruch zweiter Klasse" sei das für Ackermann, meint zwar die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Aber deren Sprecher Jürgen Kurz sagt auch, nun könne sich Ackermann wieder voll dem Unternehmen widmen. "Und das macht er, wenn man sich die Zahlen ansieht, gut." Kein Zweifel, der gebürtige Schweizer - dem laut Munzinger Archiv "analytischer Weitblick, ein ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, eine ausgleichende Persönlichkeit mit integrativem Führungsstil sowie eine herausragende kommunikative Begabung" nachgesagt werden - hat die deutsche Traditionsbank in den vergangenen Jahren nach vorne gebracht.

Aber nicht immer hatte der Bankchef eine glückliche Hand. Vor allem sein Auftritt zu Beginn des ersten Mannesmann-Prozesses in Düsseldorf löste einen Sturm der Entrüstung aus. Das Foto, auf dem Ackermann zu Beginn des Verfahrens das Victory-Zeichen zeigte, wurde zum Inbegriff eines arroganten Managers. Anfang 2005 entfachte der Chef des größten deutschen Geldhauses erneut ein Kreuzfeuer der Kritik, als die Deutsche Bank trotz Milliardengewinns einen Stellenabbau ankündigte. Und: Wenn die Gehälter der Top-Etagen debattiert werden, ist Ackermanns Einkommen meist auch ein Thema.

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