Mannesmann-Prozess
Tag 2: Ackermann geht in die Offensive

Im Prozess um Millionenzahlungen an Mannesmann-Manager ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in die Offensive gegangen und hat erstmals sein Schweigen gebrochen. In einer einstündigen Erklärung rechtfertigte er die umstrittenen Prämien. Sie hätten die Vorstände anspornen sollen, Mannesmann so gut wie möglich in Vodafone zu integrieren.

HB DÜSSELDORF. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist im Mannesmann-Prozess in die Offensive gegangen: In einer einstündigen Erklärung bestritt der Banker am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht vehement den Vorwurf der Untreue. Die umstrittenen Millionenzahlungen für den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser und andere Manager seien nicht nur "besondere Vergütung für außerordentliche Leistungen in der Vergangenheit" gewesen. Sie hätten auch sicherstellen sollen, dass die Manager bei der Fusion von Mannesmann und Vodafone engagiert mitwirkten.

Ackermann widersprach damit entschieden der Einschätzung des Bundesgerichtshofes, der im vergangenen Dezember die Freisprüche gegen die Manager und Aufsichtsräte aufgehoben hatte. Die Karlsruher Richter hatten in ihrer Entscheidung moniert, dass Mannesmann keinerlei Vorteile mehr aus den Zahlungen gezogen habe.





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"Wir wollten die Grundlage für eine möglichst reibungslose Integration von Mannesmann ins neue Unternehmen legen. Nur durch einen schnellen Zusammenschluss war es möglich, den Unternehmenswert von 180 Milliarden Euro zu erhalten", sagte Ackermann. Dabei sei der Konzern auf die volle Unterstützung der Topmanager angewiesen gewesen. Dieser Einsatz sei nach der gescheiterten Abwehrschlacht aber keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Auch die besonders umstrittene 3-Millionen-Euro-Prämie für den damaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk verteidige Ackermann als inhaltlich richtig. "Sie war ein Signal an die Belegschaft für die Beendigung der Feindseligkeiten nach dem Übernahmekampf", meinte Deutschlands mächtigster Banker. Funk sei im Unternehmen als einer der vehementesten Gegner der Übernahme bekannt gewesen. Das gerade er von Vodafone-Chef Chris Gent eine Prämie erhalten habe, hätte der Befriedung des Unternehmens gedient.

Für ihn sei bis heute schwer zu verstehen, dass die Prämien Anlass für ein Strafverfahren seien, sagte Ackermann.

Auch der frühere Mannesmann-Chef Esser, dem die Staatsanwaltschaft Beihilfe zur Untreue vorwirft, wies die Vorwürfe erneut zurück. Er sagte, er habe seine 16-Millionen-Euro-Prämie "nicht erbeten und nicht gewünscht". Dennoch sei sie rechtmäßig und angemessen gewesen. Sie entspreche gerade einmal 0,02 Prozent der Wertsteigerung im Übernahmekampf.

Esser betonte, das Aufsichtsratspräsidium habe mit der Prämie nicht zuletzt seine Durchsetzungskraft stärken wollen. Dies habe im Interesse des Konzerns gelegen. Denn mit dem Verkauf der britischen Mobilfunktochter Orange und des Industriebereichs Atecs sowie der Trennung vom Röhrengeschäft habe er auch in den folgenden Monaten wichtige Weichen für die Unternehmenszukunft stellen müssen - teilweise auch im Konflikt mit dem neuen Mehrheitsaktionär Vodafone. Im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der Bundesrepublik sitzt neben Ackermann, Esser und Funk unter anderem auch der ehemalige Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, auf der Anklagebank. Ihnen wird vorgeworfen, im Jahr 2000 die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone genutzt zu haben, um Managern und Ex-Vorständen ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von fast 60 Mill. Euro zuzuschieben. Der Bundesgerichtshof hatte die Freisprüche aus dem ersten Prozess aufgehoben.

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