Mannesmann-Prozess
Tag 3: Kopper und Riesenhuber sollen in den Zeugenstand

Bei der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses sollen der einstige Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper, Ex-Ruhrgas-Chef Klaus Liesen sowie der ehemalige Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber als Zeugen aussagen. Dies hat Daniel Krause, Verteidiger von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Düsseldorf beantragt. Kopper, Liesen und Riesenhuber hatten dem Mannesmann-Aufsichtsrat angehört.

DÜSSELDORF. Essers Verteidiger hat in einer fünfstündigen Präsentation insgesamt neun Beweisanträge gestellt und eine Fülle von Zeugen benannt - mit dem Ziel: Es soll vor Gericht deutlich werden, dass Prämien, wie sie Esser erhielt und die nicht im Vorfeld vertraglich festgeschrieben wurden, durchaus gängige Praxis bei Mannesmann waren. Zudem hätten die Prämien auch Vorteile für das Unternehmen gehabt, betonte Krause. Sie hätten Essers Durchsetzungskraft gestärkt, auch nach dem verlorenen Übernahmekampf weiter an der Verwirklichung seiner Strategie zu arbeiten.

Damit reagierte die Verteidigung auf die Kritik des Bundesgerichtshofes. Die oberste deutsche Strafinstanz hat Ende vergangenen Jahres die Freisprüche im ersten Mannesmann-Prozess aufgehoben und dies unter anderem damit begründet: Die Zahlungen seien nicht im Vertrag vereinbart und ohne jeden Nutzen für Mannesmann gewesen. Daher hätten die Aufsichtsräte, darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, die Prämien gar nicht erst bewilligen dürfen. Laut Essers Verteidiger sei der Bundesgerichtshof zu diesem Schluss auf Basis der "rudimentären Feststellungen" zu diesem Thema im ersten Prozess gekommen. Um sich wirklich ein Bild von dem Nutzen der Prämien und der bei Mannesmann üblichen Boni-Vergabe zu machen, bedürfe es nun einer "detaillierten Aufklärung" dieser Aspekte.

Bei der Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns Mannesmann durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone Anfang 2000 sind insgesamt knapp 60 Millionen Euro an ehemalige Konzernmanager und Vorstands-Pensionäre geflossen. Esser erhielt eine Anerkennungsprämie von 16 Millionen Euro, seine Vorgänger an der Konzernspitze und spätere Aufsichtsratschef Joachim Funk drei Millionen Euro. Im Aufsichtsratspräsidium, das über diese Prämien abstimmte, saßen Funk, Ackermann, Zwickel sowie der damalige Mannesmann-Betriebsratschef Jürgen Ladberg.

"Ich habe alle Zahlungen dieser Art abgelehnt", sagte Ladberg vor Gericht. Seiner Ansicht nach habe es keinen Grund dafür gegeben, Esser eine Sonderprämie zu überweisen. Es sei ja sein Job gewesen, sich für den Erhalt und die Wertsteigerung von Mannesmann zu engagieren. "Es gab auch keinen Grund zu Sonderzahlungen an andere Manager", erklärte Ladberg, "am Erfolg der Mannesmann AG hatten schließlich alle Mitarbeiter einen Anteil." Man habe daher nicht einige bestimmte Manager prämieren sollen.

Unklar blieb bei Ladbergs Aussage, ob er lediglich die Prämienzahlungen ablehnte oder dies auch mit rechtlichen Bedenken begründete. Der ehemalige Mannesmann-Betriebsrat sagte lediglich: "Durch mein Verhalten musste allen Beteiligten meine Ablehnung deutlich geworden sein." Ladberg hatte die entsprechenden Beschlüsse des Mannesmann-Aufsichtsrates nicht unterschrieben.

Ladberg sowie den fünf weiteren Angeklagten wird Untreue oder Beihilfe dazu vorgeworfen. Zur Aufklärung des Falls war der ehemalige Vodafone-Chef Chris Gent als Zeuge für Anfang Januar 2007 vorgesehen gewesen. Doch Gent erteilte dem Gericht eine Absage. Er mache von seinem Recht Gebrauch, seine Aussage zu verweigern, kündigte Richter Stefan Drees am Freitag morgen an. Gent und Esser waren die Hauptrivalen in der Übernahmeschlacht um Mannesmann. Offen blieb zunächst, ob Gent zu einer Aussage gezwungen werden dann. "Wir müssen überlegen, ob er von Bedeutung ist", hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Dies werde jetzt geprüft.

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