Mannesmann-Prozess
Wirtschaftskrimi geht in nächste Runde

Ab Donnerstag läuft der neueste Teil des Wirtschaftskrimis. Vor dem Bundesgerichtshof geht es um die Zukunft der Angeklagten im Mannesmann-Verfahren.

Allzu bequem sollen sie es nicht haben. Die eleganten Ledersessel, die vornehme Clubatmosphäre verbreiten, mussten daher als Erstes beiseite geschafft werden, als die höchste Strafinstanz Deutschlands sich auf die Fortsetzung des wichtigsten Wirtschaftsstrafverfahrens der Nachkriegszeit vorbereitete.

Um Platz für 100 Zuschauer, fünf Richter, die besten Verteidiger und höchsten Ankläger der Republik zu schaffen, haben Handwerker das lichtdurchflutete Veranstaltungsfoyer im Bibliotheksgebäude des Bundesgerichtshofs zu einem funktionellen Gerichtssaal verwandelt. Sie haben die Sessel gegen ein Rednerpult getauscht, die Fenster mit blickdichter Folie beklebt, um den Blick auf das Herbstlaub im Park zu versperren, und den Zugang zu der Lesehalle verschlossen. Nur der anthrazitfarbene Marmorfußboden und die schlanken Betonsäulen erinnern noch daran, dass hier normalerweise nicht Recht gesprochen, sondern recht freundlich geplauscht wird.

Jetzt kann der zweite Teil eines Wirtschaftskrimis beginnen, bei dem es um prominente Manager, Macht und viele Millionen geht: der Mannesmann-Prozess. Ab Donnerstag steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) die brisante Frage im Mittelpunkt: Wo liegt die Grenze zwischen unternehmerischer Freiheit und strafbarer Geldgier?

Regie führt dieses Mal Klaus Tolksdorf, Vorsitzender des 3. Strafsenats beim BGH, ein ruhiger, erfahrener Richter, auf straffe Verhandlungsführung bedacht und, wie es in Juristenkreisen heißt, "penibel bis zur Kleinlichkeit". Er muss in der Revisionsverhandlung entscheiden, ob die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts vom Sommer 2004 gerechtfertigt waren oder ob es zu einer Neuauflage des Verfahrens um den großen Geldverschiebebahnhof Mannesmann kommt.

Genau 111 514 794 D-Mark sind Anfang 2000 an Führungskräfte und Pensionäre geflossen - unmittelbar nach der Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns Mannesmann durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone. Allein an Ex-Vorstandschef Klaus Esser gingen 30 Millionen Mark. Das Präsidium des Aufsichtsrats hatte den Weg dafür frei gemacht, in persona der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, Deutsche-Bank-Lenker Josef Ackermann, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg. Auch Funk strich ordentlich Geld ein: sechs Millionen Mark.

All das machte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hellhörig. Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu witterte sie, was bis zu zehn Jahre Haft bedeuten kann. Die Aufseher hätten Gelder ohne Gegenleistung verteilt und den Konzern so vorsätzlich geschädigt. Nach 37 quälenden Verhandlungstagen verkündete Richterin Brigitte Koppenhöfer folgendes Urteil: "Die Angeklagten werden freigesprochen."

Koppenhöfer attestierte zwar Verstöße gegen das Aktienrecht. Die seien aber nicht "gravierend" genug gewesen, um eine strafbare Verletzung von "Vermögensbetreuungspflichten" auszulösen. Allein im Fall der Funk-Prämie sei Untreue im Spiel, weil diese willkürlich gewährt worden sei. Allerdings billigte die Richterin Ackermann & Co. zu, das Unrecht der Tat nicht erkannt zu haben. Und nicht nur das: Sie hätten es gar nicht besser wissen können - "unvermeidbarer Verbotsirrtum" heißt dies im Juristendeutsch.

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