Manufactum-Gründer Thomas Hoof bereitet den Stabwechsel vor
Der gute Händler

Es gibt Gründer, die können nicht loslassen, weil sie einfach nicht loslassen wollen – bei Thomas Hoof, Chef des Edel-Haushaltswaren-Händlers Manufactum, ist es das genaue Gegenteil: Er würde gern loslassen – findet aber keinen Nachfolger.

DÜSSELDORF Schon zum zweiten Mal will sich der Wirtschaftswissenschaftler mit Nebenfach Philosophie aus dem Tagesgeschäft bei Manufactum zurückziehen, „damit das Unternehmen unabhängig von seinem Gründer wird“. Das starke Wachstum der Gruppe und den geplanten Ausbau des Auslandsgeschäfts kann und will der Patron nicht weiter allein schultern.

Ein erster Rückzugsversuch allerdings schlug mangels geeigneter Kandidaten fehl und führte zu einer kleinen Unternehmenskrise. Gesucht werden daher nun sogar zwei Geschäftsführer „rechts und links neben mir als Adlaten“, die nach und nach die Leitung übernehmen sollen. Hoof bleibt als Komplementär der Kommanditgesellschaft in der unternehmerischen Verantwortung. Beteiligt ist auch der Heine-Versand, eine Otto-Tochter.

Mit dem Anforderungsprofil stellt Hoof klar, was Manufactum bedeutet: Die Neuen sollten eine „souveräne Persönlichkeit von Format“ besitzen und über „weite Denk- und Handlungshorizonte“ verfügen. Im Klartext: Sie sollten Hoofs Faible für die „guten Dinge“ teilen – zum Beispiel das Einkaufsnetz aus Eisengarn für 4,80 Euro oder den Volleyball aus gegerbtem Ziegenleder für 98 Euro

.

Dank solcher Produkte ist das Waltroper Unternehmen groß geworden. Mit dem Slogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ sagte der gelernte Buchhändler und Ex-Landesgeschäftsführer der Grünen in NRW dem Ramsch den Kampf an – es begann eine Erfolgsgeschichte, die seit siebzehn Jahren andauert.

Den Umsatz der Gruppe schätzt die Branche auf 70 Millionen Euro, vor fünf Jahren waren es laut Creditreform noch 40 Millionen. Das Geschäft soll profitabel sein. Hoof selbst nennt keine Zahlen. Doch: „Manufactum ist auch im vergangenen Schreckensjahr des Einzelhandels stabil und auf allen Vertriebswegen gewachsen – um mehr als 20 Prozent.“

Wer jetzt ein Loblied singen würde auf Manufactum, hätte wohl auf der Zunge: Es gibt sie in Deutschland noch, die guten Unternehmen.

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