Manufaktor
Fahrräder zu Kultobjekten gemacht

Dass der treue Drahtesel nicht nur ein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand sein muss, zeigt die Darmstädter Fahrradmanufaktur Riese und Müller. Sie hat Fahrräder zu Kultobjekten gemacht - mit taiwanischem Kapital.

Fahrräder sind Alltagsgegenstände, auf denen weniger Wohlhabende mühsam vorwärts strampeln. Dass diese Einschätzung nicht mehr stimmt, zeigt das Birdy, ein vollgefedertes Faltrad der Darmstädter Manufaktur Riese und Müller. Schon seit einem guten Jahrzehnt gilt es als Kultgefährt. Zum zehnten Jubiläum pilgerten gut 100 Birdyfahrer aus Japan, Australien und den USA nach Darmstadt. Da floss deutsches Freibier in Mengen, und zum Ausgleich verteilten die Zweiradfreaks Komplimente hektoliterweise an Unternehmenschef Heiko Müller.

Der hat gut lachen: Das Birdy, das je nach Ausführung zwischen 1 149 und 2 699 Euro kostet, hat sich zu einer unverwechselbaren Marke gemausert. Heute macht die Manufaktur ein Drittel ihres Umsatzes von knapp acht Millionen Euro mit diesem Modell, das sich binnen zehn Sekunden zusammen- und entfalten lässt. Der Rest der rund 5 000 Fahrräder, die Riese und Müller pro Jahr in Deutschland verkauft, sind City-, Touren- und Reiseräder. Die Modelle gewinnen Designpreise und nerven nicht mit technischer Datenflut.

"Unsere Kunden haben keine Lust, Fachzeitschriften zu durchwühlen", sagt Müllers Partner Markus Riese. Es sind Markenkäufer, die auf Qualität achten und dafür Geld ausgeben. "Unsere Räder sind nicht mit allen denkbaren Schaltgruppen zu haben", sagt Müller. "Sonst würden die Kunden wie bei anderen Rädern Ausrüstung und Preise vergleichen. Das wäre tödlich." Die meisten Modelle gibt es nur in wenigen Farben - ein Code für persönlichen Stil und Ausstattung: "Blue" hat die meisten Gänge, "Black" am wenigsten Gewicht und "Grey" taugt selbst für Expeditionen. Für die Fahrradindustrie war dieser Marketingansatz neu.

Startschuss dafür waren Anfang der Neunzigerjahre eine gute Idee - und kalte Ohren. Müller und Riese, Maschinenbaustudenten in Darmstadt, wollten das Fahrradtraining im Odenwald auch im Winter nicht missen. Aber die kalten Ohren nervten sehr. So erfanden sie "Hot Ears", Ohrenwärmer aus Vlies, die auf die Riemen der Fahrradhelme geschoben werden und finanzierten damit ihr Studium. 1993 dann setzten sie sich an den Zeichentisch und entwarfen ein Faltrad. Birdy war geboren.

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