Marco Molinari
Opels starker Mann im Hintergrund

Finanzchef Marco Molinari drängt es nicht in die Öffentlichkeit. Aber jetzt rückt er mehr und mehr in den Blickpunkt: Er arbeitet am großen Rettungspaket für den angeschlagenen Rüsselsheimer Autokonzern mit.

FRANKFURT.Wenn es hektisch wird, gehe er gern mal spazieren, sagt Marco Molinari über sich selbst. Hektisch dürfte es für den Opel-Finanzchef in den vergangenen Wochen oft gewesen sein. Doch ob ihm viel Zeit für Spaziergänge außerhalb der modernen Opel-Zentrale in Rüsselsheim blieb, ist zweifelhaft.

Fieberhaft arbeitet der 45-jährige Österreicher derzeit am neuen Rettungsplan für den Rüsselsheimer Autobauer, den die deutsche Tochter des kriselnden US-Mutterkonzerns General Motors (GM) noch diese Woche dem Aufsichtsrat und der Regierung in Berlin vorlegen will.

Mehr als drei Jahre kontrolliert der gebürtige Österreicher zwar als oberster Herr der Zahlen das Rechenwerk in Rüsselsheim. Doch jetzt steht er mit dem Rettungsplan vor seiner größten Bewährungsprobe. Denn von der Stichhaltigkeit seiner Zahlen und der Tragfähigkeit seines Zukunftsmodells wird es in großem Maße abhängen, wie die Entscheidung der Politik über staatliche Hilfen für den Autobauer ausfällt.

Noch legt der 45-Jährige die Karten nicht auf den Tisch. Lediglich per E-Mail äußerte er sich jüngst zu dem Finanzbedarf des Konzerns, der inzwischen deutlich höher ausfällt als ursprünglich gedacht, und räumt in knappen Worten ein, "dass Opel einen Bürgschaftsrahmen von mehr als den ursprünglich diskutierten 1,8 Milliarden Euro in Europa benötigen" werde.

Bevor er die Höhe nenne, wolle Opel aber erst ein tragfähiges Zukunftskonzept erarbeiten und die Beiträge der Eigentümer und Arbeitnehmer zur Sanierung klären.

Viel Zeit bleibt dem Finanzexperten dafür allerdings nicht mehr. Erste Unionspolitiker sprechen bereits freimütig über Probleme mit der Liquidität in Rüsselsheim. Der Druck auf Molinari, rasch Ergebnisse vorzulegen, steigt von Tag zu Tag. Und unversehens gerät auch der Manager selbst immer stärker ins Scheinwerferlicht.

Noch ist er wenig geübt vor den Kameras. Molinari bevorzugte bisher die Position im Hintergrund und sah wenig Anlass, sich als Finanzchef eines Unternehmens, das öffentlich keine eigenen Zahlen mehr vorlegt, in die Öffentlichkeit zu drängen.

Doch so leicht lässt sich der Mann mit dem italienischen Nachnamen, der mit einer Spanierin verheiratet ist, nicht aus der Ruhe bringen. Dafür hat Molinari, der vor seinem Wechsel auf den Chefsessel des Opel-Finanzressorts als Controller von GM Mexico arbeitete, schon zu viel erlebt im Konzern. Als Senior Financial Analyst fing er 1991 bei GM im Treasurers Office in New York an. Dann folgten Controller-Aufgaben bei GM in Argentinien und als Finanzexperte bei GM in Brüssel.

Der Kulturliebhaber, den man mit seiner Tochter schon mal als Gast bei Konzerten auf dem Rheingauer Musik-Festival sichtet, spricht mit Bedacht. Und er erweckt bisweilen den Eindruck, als wenn ihn der ganze Rummel um Opel weitgehend unbeeindruckt lässt.

Das liegt vielleicht auch daran, dass er zusammen mit dem übrigen Opel-Management erst 2005 die härteste Restrukturierung der Firmengeschichte durchsetzen musste.

Molinari, der mit einem erkennbar österreichischen Akzent spricht, dürfte die Situation sogar seltsam vertraut vorkommen. So hatte Carl-Peter Forster noch in seiner Rolle als damaliger Opel-Chef den Österreicher schon Anfang 2001 damit betraut, dass erste, letztlich nicht ausreichende Opel-Sanierungsprogramm "Olympia" durchzusetzen.

Molinari leitete damals maßgeblich das Restrukturierungsprogramm und muss nun sorgsam darauf achten, dass dem neuen Sparprogramm ein größerer Erfolg beschieden ist als dem alten.

Denn der in Wien geborene Manager, der an der Wirtschaftsuniversität der österreichischen Hauptstadt Wirtschaftswissenschaften sowie an einer Business-School in Barcelona studierte, weiß wohl selbst nur zu genau: Dieser Schuss muss sitzen.

Gelingt der Plan, wird er sein Meisterstück. Scheitert er jedoch, drohen Opel ähnliche Probleme wie der GM-Tochter Saab. Und Molinari müsste um seinen Job bangen.

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