Marco Sala
Der König des Glücksspiels

Marco Sala übernimmt die Macht beim weltgrößten Lotteriebetreiber Lottomatica. Trotz Wirtschaftskrise steigen Gewinn und Umsatz des italienischen Konzerns.

ROM. Mit einem verächtlichen Blick hinter der randlosen Brille betrachtet Marco Sala die Werbung für die neuen Lose mit Blumenmotiv und Hufeisen. "Sehen Sie, die kopieren uns", sagt der Chef von Lottomatica und schiebt die Flugblätter des Konkurrenzanbieters Sisal zur Seite.

Der sportliche Mann mit den kurzen grauen Haaren kennt seine Lose. Der 49-Jährige ist zum Vorstandsvorsitzenden des weltgrößten Lottobetreibers und Italiens größtem Glücksspielunternehmen Lottomatica ernannt worden, das im vergangenen Jahr mit mehr als 6 000 Mitarbeitern in 50 Ländern zwei Milliarden Euro umsetzte. Bisher war Sala für Italien verantwortlich, das rund die Hälfte des Geschäfts ausmacht.

Der börsennotierte Konzern aus Rom ist zum einen Lizenznehmer staatlicher Lizenzen für Rubbellose, Sportwetten, Slotmaschinen und Online-Poker. Zum anderen bietet er Technologie und Dienstleistungen für andere Lottobetriebe an. In Deutschland gehören West Lotto und die Sächsische Lotto GmbH zu seinen Kunden.

Als einer der wenigen Konzernchefs fürchtet Sala nicht die Krise. "Unser Geschäft zeigt sich krisenresistent", sagt er dem Handelsblatt. Ein Blick auf das erste Quartal gibt ihm recht: Lottomatica hat den Umsatz um 30 Prozent auf 582 Millionen Euro erhöht und den Gewinn um knapp 70 Prozent auf 72 Millionen Euro.

Die Spielwut der Menschen ist ungebrochen, und die Regierungen weiten das steuerträchtige Glücksspiel in Zeiten leerer Kassen aus. Dass die Menschen wegen der Krise aus Verzweiflung mehr spielen, hört Sala nicht gerne. "Wir hatten auch in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum", sagt er. Für die guten Ergebnisse seiner Gruppe macht er lieber Managemententscheidungen verantwortlich: Online-Spiele und ein größeres Vertriebsnetz.

In den sechs Jahren bei Lottomatica hat Sala ein Händchen für das Geschäft mit dem Glück bewiesen. Dabei hat der Manager mit Spiel und Wetten zuvor wenig zu tun gehabt. Er spielt nicht und kennt auch die Pokerregeln nur rudimentär. Dostojewskis Werk "Der Spieler" hat er bis heute nicht gelesen, auch wenn es auf seiner Liste steht. Auch seine berufliche Erfahrung hat der Manager, der im Büro lieber ohne Jackett arbeitet, in anderen Branchen gesammelt: beim Lebensmittelhersteller Kraft etwa oder beim Autozulieferer Magneti Marelli.

Auch wenn Sala das Glücksspiel an sich nicht interessiert, es fasziniert ihn aber als Produkt. "Das ist ein Geschäft, das stark vom Angebot getrieben ist", sagt er. Wenn das Produkt gut ist, spielen die Menschen auch. Allein im vergangenen Jahr haben die Italiener für 47,5 Milliarden Euro gewettet und sich den Rang als Weltmeister gesichert. Dem italienischen Staat hat das Steuern in Höhe von 7,7 Milliarden Euro gebracht.

Mitarbeiter beschreiben Sala als Manager, der nie die Ruhe verliert, nie laut wird und auch in Stresssituationen objektiv bleibt. Dennoch ist der Mann mit dem offenen Lachen kein Pokerface. In seiner Freizeit flüchtet der Kunstliebhaber, so oft es geht, in die Natur der Toskana.

Da denkt er auch über die weitere Expansion nach. "Wir erwarten, dass das größere Wachstum aus dem Ausland kommt, auch aus den USA", sagt er. Und vielleicht, so hofft er, liberalisiert ja auch Deutschland seine Lotterien und Wettregeln.

Auf dem Heimatmarkt setzt er auf Videospiele sowie auf Wetten außerhalb des Sports. Aber der gebürtige Mailänder weiß nach sechs Jahren in Rom, wo die Grenzen sind. Ob er Wetten auf den Tod des Papstes auflegen würde? "Auf keinen Fall."

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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