Maria-Elisabeth Schaeffler
Auftritt einer Kämpferin

Die Chefin der Schaeffler-Gruppe stellte sich erstmals den Fragen zur Übernahme von Continental. Der Zeitpunkt des Auftritts war pefekt - denn die Aktien des Autozulieferers sind wieder auf einem guten Kurs.
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HAMBURG/MÜNCHEN. Hamburgs Wahrzeichen, die Kirche St. Michaelis, ist Stätte historischer Ereignisse - und diese Erwartung erfüllte auch die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler am Freitag. Sie präsentierte sich dort angespannt, aber hochdiszipliniert auf dem Podium der "Zeit"-Konferenz "Deutsches Wirtschaftsforum" und gab ihr erstes öffentliches Interview seit Beginn der feindlichen Übernahme von Continental durch Schaeffler im Sommer 2008.

Die Konzernchefin und gläubige Katholikin saß vor dem Altar der evangelischen Kirche in der Hansestadt, die Hände fest ineinander verschlungen, die Beine im weißen Sessel zusammengepresst, den Rücken im roten Blazer durchgedrückt: die 69-Jährige demonstrierte und manifestierte Pflichtbewusstsein - und zwar nicht nur durch ihre Haltung, sondern auch durch ihre Worte. "Ich kämpfe nicht für mich und mein eigenes Ego, sondern für die Mitarbeiter", sagt Schaeffler. Das sei der Geist, der ein Familienunternehmen ausmache.

Das Timing für den Auftritt war klug gewählt: Die Aktien des weltweit drittgrößten Autozulieferers Conti sind vom Tiefstand bei 11,55 Euro auf mehr als 62 Euro gestiegen - der Durchschnittswert, zu dem Schaeffler sein Gesamtpaket von heute 75 Prozent erworben hat, ist zum Greifen nah.

Auf der Aufsichtsratssitzung am Dienstag in Hannover wird Contis Chef Elmar Degenhart die anstehenden Investitionen erläutern - der MDax-Konzern ist auf Wachstumskurs, besonders in Asien. Der Boom bei Winterreifen füllt Contis Kasse. Damit ist klar: Familie und Unternehmen drücken zwar mehr als zehn Milliarden Euro Schulden - aber die Firmen sind wieder auf Kurs.

Ex-ARD-Talkerin Sabine Christiansen war es im Michel vorbehalten, in gewohnt einfühlsamer Art die Auferstehung einer einst märchenhaft reichen Familie zu beleuchten, für die im Herbst 2008 ein scheinbar kalkulierbares Risiko zum emotionalen Höllenritt wurde. Maria-Elisabeth Schaeffler ducke sich nicht weg, sagen Vertraute, schwärmen von ihrer natürlichen Autorität und Bodenständigkeit.

Beim Versuch, den fast dreimal so großen Conti-Konzern zu übernehmen, hätte ihre Gesprächspartnerin "fast alles verlieren können", sagte Christiansen - und eröffnete damit die Apologie, also die symbolträchtige Verteidigungsrede einer Unternehmerin, für die als Katholikin der Teufel mehr als ein Fabelwesen ist.

Die wundersame Rettung schreibt Schaeffler den weltweit 65 000 Mitarbeitern zu, die enorm gekämpft hätten. "Der Kampfgeist wird noch ein bisschen mehr eingeschaltet", sagte sie rückblickend. Und "vielleicht hat auch der liebe Gott ein Händchen dafür gehabt."

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