Marijn Dekkers: Bayers sanfter Vollstrecker

Marijn Dekkers
Bayers sanfter Vollstrecker

Monatelang erkundete Marijn Dekkers den Konzern - von Freitag hat er das Sagen. Und wird einiges ändern. Fundamentale Änderungen stehen für den Holländer zwar nach einiger Aussage nicht auf dem Plan, doch hier und da hat der Manager schon Pläne.
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LEVERKUSEN. Marijn Dekkers macht sich absichtlich klein. Er knetet die Hände, er tigert vor einem Rednerpult auf und ab. Vor ihm sitzen 300 Menschen, deren Chef er demnächst sein wird. Er sagt: "Ich bin der am besten bezahlte Praktikant im Konzern. Ich bin hier, um von Ihnen zu lernen." Das war im Januar, sein erster Auftritt vor Mitarbeitern der Bayer-Pharmasparte in Berlin.

Jetzt, neun Monate später, ist den meisten Mitarbeitern klar: Hinter der charmanten Fassade steckt ein verbindlicher Entscheider. Spätestens ab Freitag, wenn Marijn Dekkers als erster Ausländer und erster "Konzernfremder" in der Bayer-Geschichte die Geschäfte des CEO von Werner Wenning übernimmt, wird in Leverkusen ein anderer Wind wehen. Ein frischer, manche am Rhein unken auch, ein schärferer. "Der hat die Baustellen ausgemacht und wird sie zügig angehen", prophezeit einer aus dem Führungszirkel.

Dekkers selbst sagt zwar: "Fundamentale Veränderung steht für mich nicht auf der Agenda." Dass er, der vergleichsweise guten Lage des Konzerns zum Trotz, sein Amt an der Spitze des Pharma-, Kunststoff- und Agrokonzerns mit einem ausgeprägten Gestaltungswillen antritt, kann er dennoch kaum verheimlichen.

So will der Holländer mit US-Pass etwa wieder durch Zukäufe wachsen - und traut sich dabei auch Mega-Übernahmen zu. Selbst Zukäufe in der Größenordnung des Schering-Konzerns, den Bayer 2006 für 17 Milliarden Euro schluckte, seien finanzierbar, sagt Dekkers - schiebt aber gleich hinterher: "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir keine Eile haben und auch nicht sehr schnell etwas Großes tun müssen." Trotzdem: Durch Zukäufe im Gesundheits- und Saatgutgeschäft will Dekkers vor allem die Position des Chemie- und Pharmakonzerns in Asien ausbauen. "Ich möchte unseren Anteil in den Schwellenländern signifikant vergrößern", sagte der Manager.

Intern dagegen wird sich auch kurzfristig schon einiges ändern. "Ich möchte dem Konzern eine schlankere Struktur geben", kündigt Dekkers an. Aus seiner Zeit als CEO des Laborzulieferers Thermo Fischer eilt ihm der Ruf eines Sanierers voraus. Dass er auch bei Bayer einiges verändern wird, deutet sich schon seit Monaten an. Denn, obwohl seit Januar lediglich als "CEO-Praktikant" im Amt, hat Dekkers einige Pflöcke eingeschlagen. Die Sparten Pharma und Agrotechnik haben neue Chefs bekommen. Als erste Frau überhaupt rückte Sandra Petersen als Chefin von Bayer Crop Science in den Vorstand, zudem der ehemalige Novartis-Manager Jörg Reinhardt an die Spitze der Pharmasparte. So viele externe Karrieren gab es nie am Rhein.

In Leverkusen blicken sie zudem besorgt auf ihre Kunststoffsparte Material Science. Die gilt schon länger als Verkaufskandidat. Dekkers wiegelt bisher ab. Aber seine Mitarbeiter wissen: Die Zeit des Praktikanten ist abgelaufen, jetzt ist der Entscheider gefragt.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen

Kommentare zu " Marijn Dekkers: Bayers sanfter Vollstrecker"

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  • Ja, die Entscheidung ist getroffen. Herr Dekkers spart ordentlich auf Kosten der Mitarbeiter ein. Die gesamte Buchhaltung geht nach Indien und China. Die Mitarbeiter sollen "sozial verträglich" entsorgt werden. Zum Teil werden diesen Mitarbeitern mit Druck Abfindungen angeboten. Geht man auf dieses "Angebot" nicht ein, erhält man soviel Druck, dass man freiwillig das Unternehmen verlassen möchte. Früher galt die Fa. Bayer AG als sozial eingestelltes Unternehmen, dies ist aber schon längst vorbei...

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