Mario Frank
Der Streit beim „Spiegel“ eskaliert

Die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr legt sich mit der Mitarbeiter KG des "Spiegel" an: Geschäftsführer Mario Frank bleibt – zumindest vorerst.

DÜSSELDORF. Eigentlich übt sich der gebürtige Rheinländer Bernd Kundrun gerne in hanseatischer Zurückhaltung. Doch gestern war es damit vorbei. Der Vorstandschef des Hamburger Zeitschriftenkonzerns Gruner + Jahr (G+J) bezog beim Machtkampf im Spiegel-Verlag klar Stellung. „Der ,Spiegel’ ist unter der Leitung von Mario Frank im Verbund mit der neuen Chefredaktion sehr erfolgreich. Die Frage nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des „Spiegels“ stellt sich für G+J daher nicht“, sagte Kundrun.

Zuvor hatten zahlreiche Blätter wie die „Frankfurter Rundschau“ gemeldet, dass Mario Frank den Chefsessel im Spiegel-Verlag räumen und sein bisheriger Stellvertreter Matthias Schmolz das Amt übernehmen werde.

Der seit Monaten öffentlich ausgetragene Kampf um die Macht beim „Spiegel“ eskaliert zusehends.

„Mario Frank genießt unser volles Vertrauen und steht in keiner Weise zur Disposition“, gibt Kundrun zu Protokoll und will so die seit November laufenden Personalspekulationen endgültig beenden.

Dass das gelingt, ist aber mehr als fraglich. Denn G+J, der Zeitschriftentochter von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann, gehören nur 25,1 Prozent der Anteile am Spiegel-Verlag. Mehrheitsgesellschafter ist die Mitarbeiter KG mit 50,5 Prozent. Und genau die Mitarbeiter KG unter Führung des „Spiegel“-Wirtschaftschefs Armin Mahler will Frank ins Abseits bugsieren. Nach Branchenberichten hat Frank nicht mehr das Vertrauen der Mitarbeiter KG. Sie sprach am Freitag dem seit Anfang 2007 amtierenden Verlagsgeschäftsführer das Misstrauen aus.

Frank wird für eine Reihe von rufschädigenden Aktionen verantwortlich gemacht. Der Rauswurf des langjährigen Chefredakteurs Stefan Aust hinterließ tiefe Wunden. Auch der gescheiterte Einstieg beim Verlustbringer „Financial Times Deutschland“ wird Frank angelastet. Am Schluss blieb Gruner nichts anderes übrig, als das Wirtschaftsblatt komplett zu übernehmen. In den Reihen der mächtigen „Spiegel“-Mitarbeiter hat Frank keinen Rückhalt mehr. Das berichten Insider in Hamburg. Ob das allerdings ausreicht, sich von ihm schon bald zu trennen, ist offen. Sein Vertrag läuft bis Ende 2012.

Kundrun sind die Selbstherrlichkeit und die Autonomie der Mitarbeiter KG seit langem ein Dorn im Auge. Der Bertelsmann-Vorstand sucht nun die Machtprobe. Denn eines ist klar: Ohne die Vetomacht Gruner+Jahr geht beim „Spiegel“ gar nichts.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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