Mark Bezner
Knitterfrei und belastbar

Der ehemalige Leistungsschwimmer Mark Bezner führt den laut Gesellschaft für Konsumforschung „mit Abstand erfolgreichsten Hemdenhersteller der vergangenen Jahre“. An den guten Zahlen von Olymp hat der Enkel des Firmengründers erheblichen Anteil.

BIETIGHEIM. Den schwarzen Porsche hat Mark Bezner vor dem Werkstor in Bietigheim-Bissingen geparkt. Protzerei eines Unternehmererben? Falsch. Der gebürtige Bietigheimer ist ein sparsamer Schwabe und achtet aufs Geld. Den Porsche hat der 43-jährige Chef des Hemdenherstellers Olymp als Schnäppchen bekommen: „Das ist der abgelegte Firmenwagen von Porsche-Finanzchef Holger Härter“, sagt das Ex-Mitglied der deutschen Schwimm-Nationalmannschaft.

Man kennt sich eben in Bietigheim, dem Wohnort von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und trifft sich hin und wieder zur abendlichen Unternehmerrunde. Auch geschäftlich sind die Unternehmen miteinander verbunden. So bestückt Olymp die Porsche-Textil-Kollektion. Aber das macht nur einen Bruchteil des Geschäfts des Hemdenspezialisten aus.

Olymp gilt der Gesellschaft für Konsumforschung als „die mit Abstand erfolgreichste Hemdenhersteller der vergangenen Jahre“. 2006 kletterte der Umsatz um 10 Millionen auf 84 Millionen Euro und vervierfachte sich damit fast in den vergangenen zehn Jahren. Erheblichen Anteil daran hat der Enkel des Firmengründers. Bevor er als Marketingleiter 1990 in den väterlichen Betrieb eintrat, arbeitete der Betriebswirt mit Abschluss an der UCLA in Los Angeles als Produktmanager bei Procter & Gamble.

Mit knitterfreien Hemden setzte er ab 1996 auf das richtige Pferd für eine Marke im mittleren Preissegment von 30 bis 60 Euro. Der größeren Konkurrenz der Mehrmarkenunternehmen wie Seidensticker und Eterna konnten die Schwaben in den vergangenen Jahren immer mehr Marktanteile abjagen, unter anderem mit besonders strapazierfähigen Kragen. Der Marktanteil liegt heute bei über 15 Prozent. Seit Bezner Junior an Bord ist, ist der Exportanteil von null auf 30 Prozent gestiegen. 50 Prozent ist das Ziel. In die Kasse will sich der Familienvater dreier Kinder nicht schauen lassen: „Wir sind zufrieden.“

Der schnörkellose neue Fabrikbau auf der grünen Wiese ist knallhart auf Effizienz getrimmt. Nur in der Entwicklungsabteilung in Bietigheim werden noch Musterkollektionen genäht und im Labor gewaschen. Die 250 Beschäftigten in Deutschland, darunter viele Textilingenieure, überwachen die Produktion in Fernost. Qualitätskontrolle und elektronische Vernetzung ermöglichen den Erfolg und die zielgerichtete Belieferung aus Fernost. Mit Lizenzgeschäften will sich Bezner nicht verzetteln. Das kleine Geschäft mit Porsche ist da eine Ausnahme unter Nachbarn – wie der schwarze Porsche.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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