Mark Hurd: Hewlett-Packard zerrt Ex-Chef vor Gericht

Mark Hurd
Hewlett-Packard zerrt Ex-Chef vor Gericht

Der IT-Konzern will verhindern, dass sein ehemaliger Chef beim Konkurrenten Oracle anfängt. Dieser hat Hurd kurz zuvor zum Kopräsidenten ernannt. Der neue Posten scheint gleichzeitig Rache an HP und Angriff auf IBM zu sein.
  • 0

NEW YORK/FRANKFURT. Es waren nur wenige Stunden des Triumphs: Mark Hurd, der ehemalige Chef des IT-Konzerns Hewlett-Packard (HP), feierte gestern sein Comeback. Er wurde zum Kopräsidenten des Konkurrenten Oracle ernannt. Doch die Klage von seinem alten Arbeitgeber folgte prompt. "Hurd setzt die wertvollsten Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Informationen von HP aufs Spiel", heißt es in der Klageschrift. Und das, obwohl er entsprechende Vertraulichkeitsvereinbarungen unterschrieben und dafür eine millionenschwere Abfindung bekommen habe. Hurd dürfe deshalb nicht bei Oracle arbeiten, argumentiert HP.

Hurds Auseinandersetzungen mit dem Konzern, den er zum größten Computerhersteller der Welt gemacht hat, gehen also weiter. Der 54-Jährige musste seinen Posten Anfang August nach fünf Jahren an der Spitze von HP räumen. Er soll Spesen fingiert haben, um eine "enge persönliche Beziehung" zu einer externen Beraterin zu verschleiern, wie sein ehemaliger Arbeitgeber mitteilte. Hurd bestreitet dies.

Sein schnelles Comeback verdankt der Manager vor allem seinem Kumpel und Tennis-Partner Larry Ellison. Ellison, der Vorstandsvorsitzende von Oracle, hatte sich bereits vor Wochen hinter Hurd gestellt. In einer E-Mail an der "New York Times" empörte er sich über das Kontrollgremium von HP, das Hurd Anfang August zum Rücktritt gezwungen hatte.

Dass Hurd nun bei Oracle anheuert, wird in der IT-Industrie nicht nur als Rache an HP interpretiert, sondern auch als Angriff auf IBM. Der weltgrößte IT- und Dienstleistungskonzern ist seit jeher neben dem deutschen Softwarekonzern SAP der größte Feind für Oracle-Gründer Larry Ellison.

Hurd ist zwar in erster Linie ein Zahlenmensch. Er verfügt allerdings über profunde Kenntnisse der Branche und ist deshalb bestens mit deren Gesetzmäßigkeiten vertraut. Der IT-Manager hat bei HP viele Jahre direkt gegen IBM gekämpft und ist dem Branchenprimus dabei mächtig auf die Pelle gerückt. Damit nicht genug: Bei seiner vorherigen Station bei NCR, einem Spezialisten für Kassensysteme und Geldautomaten, hat Hurd gelernt, wie Software und Hardware zusammen verkauft werden können.

Das ist ein Wissen, das perfekt zu Oracle passt. Vor einiger Zeit hatte Ellison die gesamte IT-Welt mit der Übernahme des Server- und Softwarespezialisten Sun überrascht. Der umtriebige Oracle-Gründer, das Enfant terrible der Branche, ist davon überzeugt, dass fertige Pakete aus Soft- und Hardware sich künftig besser verkaufen lassen. Hurd wird ihm dabei assistieren, seine Strategie umzusetzen und zu perfektionieren. Das Ziel hat er gestern bereits verkündet: "Ich glaube, mit Oracles Strategie, Software und Hardware zu kombinieren, werden wir IBM sowohl bei den Enterprise Servern als auch im Speichergeschäft schlagen", teilte Hurd mit. Allerdings mischt auch HP in diesen Bereichen mit. Eine interne Analyse habe noch vor wenigen Monaten Oracle klar als Wettbewerber ausgewiesen, heißt es in der Klageschrift.

Hurd und sein neuer Chef Larry Ellison sind offenbar bereit, dieses Risiko einzugehen und den Prozess, wenn es sein muss, vor Gericht auszutragen. Sollte alles nach Plan laufen, dann wird Hurd vor allem für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Kundenservice verantwortlich sein. Er soll den bisherigen Kopräsidenten Charles Phillips ersetzen, der sein Amt niedergelegt hat, und einen Sitz in Oracles Verwaltungsrat bekommen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Mark Hurd: Hewlett-Packard zerrt Ex-Chef vor Gericht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%