Markt öffnet sich: Rechtsberatung geht neue Wege

Markt öffnet sich
Rechtsberatung geht neue Wege

Zehn Minuten Rechtsberatung und 100 Euro los? Es geht auch anders: Neue Kanzleien locken Kunden mit niedrigen Preisen und neuen Servicelleistungen - und krempeln den Markt um. Was die Schnäppchen-Angebote taugen.

"Guten Tag, isch hätt' da mal 'ne Frage." Der Anrufer mit dem leichten hessischen Akzent verschenkt keine Zeit. "Darf mein Vermieter die Erneuerung des Wasserfilters über die Nebenkosten abrechnen?" - "Wie viel hat das denn gekostet?", fragt Anne Cleef, -Kathrin Rechtsanwältin bei der Kanzlei Janolaw in Sulzbach bei Frankfurt zurück. "250 Euro, verteilt auf vier Parteien." - "Wenn in Ihrem Mietvertrag eine Kleinreparaturklausel steht, dürfen Kosten bis zu 100 Euro pro Reparatur auf Sie umgelegt werden. Wenn nicht, muss Ihr Vermieter das bezahlen." - "Okay, danke erstmal, dann schau ich noch mal in den Vertrag", sagt der Hesse und legt ohne Abschied auf.

Die Eile hat einen Grund: Während des Anrufs ticken Uhr und Kosten. Die Minute hat 1,99 Euro gekostet, bezahlen wird er später mit der Telefonrechnung. Hätte er einen Termin in einer Kanzlei vereinbart, wären für dieselbe Information mindestens 15 Euro fällig gewesen, berechnet nach dem 66 DIN-A4-Seiten schweren "Rechtsanwaltsvergütungsgesetz". Das legt fest, dass sich die Anwaltsrechnung am Streitwert (in diesem Fall 250 Euro) orientieren soll, nicht am Arbeitsaufwand. Doch die Praxis zu dem starren Gesetz, unter dessen Schutz die deutschen Advokaten lange gut lebten, bricht auf. Zwar dürfen bei außergerichtlicher Beratung schon jetzt die Preise frei vereinbart werden. Das weiß aber kaum jemand.

Wettbewerb krempelt den Markt um

Erst Mitte des Jahres hält der Wettbewerb endgültig Einzug: Vom Juli an müssen Anwälte die Preise für außergerichtlichen Leistungen vorher aushandeln. Vorbei die Zeiten, in denen Mandanten erst mit der Rechnung erfuhren, wie teuer die Beratung war. Eine Welle von Feilschern rollt auf die Kanzleien zu. "Das wird den Markt umkrempeln", sagt Eugen Boss, Gründer der Kanzlei Juraxx, die 24 Filialen betreibt. Zahlreiche Callcenter-Betreiber wie Janolaw und dazu Billigfilialisten wie Jurraxx haben sich mit neuen Preismodellen und Serviceangeboten wie Samstagsdiensten für die neue Ära in Stellung gebracht.

Düsseldorfer Innenstadt, zwischen Sparkasse und McDonald's. Eilige Passanten könnten die Juraxx-Filiale mit einem Mietwagenverleih oder einem Maklerbüro verwechseln. Wer eintritt, wird von einer Mitarbeiterin hinter dem Empfangstresen begrüßt. Sobald geklärt ist, in welches Rechtsgebiet das Problem des Besuchers fällt, geht es nach hinten in eines der fünf Anwaltsbüros. Oder erst mal in den Wartebereich, wo der Gast einen Kaffee bekommt - wie beim Arzt oder Friseur. Auf mitgebrachte Kleinkinder wartet eine Spielecke, auf gelangweilte Erwachsene eine kleine Kunstrasen-Golfbahn. "Viele haben eine große Hemmschwelle, zum Anwalt zu gehen. Die wollen wir ihnen nehmen", sagt Anwalt Frank Korn, im Düsseldorfer Team für Arbeitsrecht zuständig.

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