Marktforschung
Stephan Grünewald sagt, was Kunden wollen

Stephan Grünewald ist Diplom-Psychologe und Mitgründer des Rheingold Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen, das die Marktforschung in den vergangenen zwei Jahrzehnten revolutioniert hat und zu den Shootingstars der Branche zählt. Anders als die Konkurrenz setzen die Kölner nicht auf standardisierte Fragebögen und Straßenumfragen, sondern auf tiefenpsychologische Interviews.

KÖLN. Schon als kleiner Junge am Niederrhein liebte es Stephan Grünewald zuzuhören. Hatte sich die Freundin seiner Mutter zum Kaffeeklatsch angekündigt, versteckte er sich unter dem Küchentisch. „Ganz klein machte ich mich und lauschte mucksmäuschenstill den Gesprächen über meinem Kopf“, sagt der 46-Jährige und demonstriert es mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Menschen zuzuhören ist 40 Jahre später sein Beruf.

5000 Männer und Frauen setzten Grünewald und seine rund 50 festen und 140 freien Mitarbeiter in der Vergangenheit jedes Jahr auf die Couch. Für 2006 erwartet Rheingold einen Umsatzsprung um 20 Prozent auf knapp zwölf Millionen Euro. „Der Erfolg von Rheingold gründet sich nicht allein in meiner Person, sondern in dem produktiven Zusammenschluss von sechs autonomen und sehr heterogenen Psychologen mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten“, sagt Grünewald.

Die Auftraggeber sind das Who is who der Konsumgüterindustrie: Coca-Cola, Kraft Foods, L’Oréal, Lindt&Sprüngli, Wrigley, Unilever. Auch Allianz, Deutsche Telekom, Deutsche Post und VW vertrauen den Erkenntnissen der Kölner Psychologen. „Ganz billig sind die Analysen von Rheingold nicht, und man muss sich auch auf den Stil einlassen und die Psychologen-Sprache verstehen, dann aber“, sagt einer der Auftraggeber, „sind die Kölner ihr Geld im wahrsten Sinne wert.“

Die Kölner, das sind Ines Imdahl, Hans Joachim Karopka, Stefan Urlings, Heinz Grüne, Jens Lönneker und Stephan Grünewald. Mit seinem Bestseller „Deutschland auf der Couch“ machte sich Grünewald zum Kopf der Truppe. Der bekannte Literaturkritiker Denis Scheck lobte das Sachbuch im Deutschlandfunk als „analytisch stringent“ und „elegant im Stil“. Die Diagnosen des passionierten Mönchengladbach-Fans sind gefragt, nicht nur zu Themen wie Deutschland und die Fußball-WM.

„Grünewald ist eine Galionsfigur in der Branche“, sagt Thomas Wüstenfeld, Leiter Marktforschung bei Aral. In einer von internationalen Konzernen und Verbünden wie der GfK oder Ipsos dominierten Marktforschungsszene steche Grünewald von Rheingold heraus. „Manager dominieren das Geschäft heute, Persönlichkeiten wie Elisabeth Noelle-Neumann vom Institut für Demoskopie Allensbach oder Walter Tacke von Emnid gibt es kaum noch“, sagt Wüstenfeld, der zuletzt die Aral Mobilitätsstudie an Rheingold vergab.

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