Marktkauf-Sanierung
Der Spar-Chef setzt sich durch

Er hat es im zweiten Anlauf geschafft. Noch vor zwei Wochen war Spar-Chef Stephan Schelo im Aufsichtsrat gescheitert, als neuer Vorstandssprecher an die Spitze des Einzelhändlers Marktkauf zu rücken. Die Arbeitnehmer-Vertreter, die 50 Prozent der Mitglieder stellen, hatten auf der letzten Sitzung gegen ihn gestimmt – einstimmig.

HAMBURG. Nun hat sich der 64-jährige Brillenträger mit dem lichten weiß melierten Haar überraschend durchgesetzt. Am Mittwoch wählte ihn das Kontrollgremium in den Vorstand des milliardenschweren Handelskonzerns. Das Unternehmen aus Bielefeld mit seinen 29 000 Mitarbeitern gehört wie Spar zu Deutschlands führendem Lebensmittelhändler Edeka.

Schelo wird aber nicht Vorstandssprecher, da dieser Posten offenbar nicht mehr besetzt werden soll. Stattdessen hat ihm der Aufsichtsrat ein weit reichendes Aufgabenfeld übertragen. Er ist künftig für die Öffentlichkeitsarbeit, Personal, Datenverarbeitung sowie die Baumärkte verantwortlich, teilte ein Spar-Sprecher auf Anfrage des Handelsblatts mit. Er löst damit Gerhard Peter ab, der nach dem Rückzug des ehemaligen Vorstandschefs Helmut Metje zeitweise als Vorstandssprecher und Personalvorstand fungierte.

Schelo steht bei Marktkauf vor einer Mammutaufgabe. Der gebürtige Sauerländer soll den defizitären Konzern neu ausrichten, um ihn wieder auf Gewinnkurs zu trimmen. Dafür will der Manager ein tief greifendes Sanierungsprogramm umsetzen. Es sieht unter anderem vor, dass sich Marktkauf von seinen nicht rentablen 150 Baumärkten sowie dem Optikerfilialisten Krane trennt. Zudem sollen Verwaltung, Logistik und der Einkauf gestrafft werden. Bereits seit Wochen untersucht die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers, wo Kosten eingespart werden können.

Dabei dürfte Schelo auf heftigen Widerstand der Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat stoßen. Denn der Umbau wird kaum ohne schmerzliche Personaleinschnitte möglich sein, heißt es in Firmenkreisen. Viele Mitarbeiter befürchten deshalb, dass der kostenbewusste Manager nach dem bisherigen Strickmuster verfährt. Er streicht rigoros Stellen – statt behutsam zu sanieren. In Branchenkreisen eilt ihm deshalb seit Jahren bereits der Ruf als „Abwickler“ voraus, heißt es in der „Lebensmittelzeitung“.

So kürzte Schelo in der Vergangenheit beispielsweise bei der angeschlagenen Osnabrücker Drogeriekette Ihr Platz die Zahl der Arbeitsplätze von 6 500 auf 3 500 und schloss vier von sechs Lägern. Auch bei der Hamburger Spar-Gruppe war der Vater von vier Kindern nicht zimperlich, um die Firma wieder in die Gewinnzone zu führen: Er feuerte kurzerhand die Hälfte der rund 2 800 Mitarbeiter.

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