Markus Conrad wird überraschend Vorstandssprecher
Ein Trompeter für Tchibo

Es sollte sein großer Tag werden: Noch für kommenden Donnerstag hatte das Tchibo-Vorstandsmitglied Stephan Swinka zu einer Pressekonferenz ins Hamburger Nobelhotel Park Hyatt eingeladen: Ein neuer Tarif für Prepaid-Handys aus dem Hause Tchibo sollte präsentiert werden.

HB HAMBURG. Den Anlass wollte der 45-Jährige nutzen, um sich Journalisten als künftiger Vorstandssprecher der Tchibo GmbH zu zeigen – ein Firmenreich mit 12 000 Mitarbeitern, das mit dem Verkauf von Kaffee und Gebrauchsartikeln jährlich rund vier Milliarden Euro umsetzt.

Daraus wird nichts: Am Freitag hat der Tchibo-Aufsichtsrat überraschend einen anderen Manager gewählt: Markus Conrad, geschäftsführender Gesellschafter des Buchgroßhändlers Libri. Swinka dagegen verlässt Ende des Jahres den Tchibo-Konzern – nach sieben Jahren.

Conrad ist in der Öffentlichkeit bislang nicht sonderlich aufgetaucht. Daran will er bislang auch nichts ändern, Interviews gibt er nicht. Seine Sekretärin erklärt kurz angebunden: „Conrad ist nicht zu sprechen.“ Dies bekommt auch der Tchibo-Pressechef zu spüren – er hat mit ihm bislang kaum ein Wort gewechselt. Nicht mal ein ordentliches Foto gibt es von ihm.

Für die beiden Hamburger Milliardäre und Tchibo-Eigentümer Michael und Wolfgang Herz ist der Neue dagegen kein Unbekannter. Als die beiden Brüder 1993 den Hamburger Buchhändler Libri von einem amerikanischen Investmenthaus kauften, übernahmen sie die gesamte Führungsmannschaft – einschließlich Conrad.

Schnell fällt er den Tchibo-Eignern als ehrgeiziger und agiler Manager auf. Der Mann mit dem leicht pausbäckig wirkenden Gesicht und dem dunklen, leicht ergrauten Haar krempelt den Großhändler mit seinen 1000 Mitarbeitern völlig um. Damit trimmt er das Unternehmen trotz des scharfen Wettbewerbs im Buchgeschäft auf Wachstumskurs. So verfünffacht er in den vergangenen zehn Jahren den Umsatz auf 500 Millionen Euro und löst damit vor kurzem sogar Knoe als bislang führenden Konkurrenten im deutschen Buchgroßhandel ab. Bei dem radikalen Umbau von Libri nutzt er vor allem sein Wissen als Fachmann für Logistik und Warenwirtschaft, das er sich bei der Unternehmensberatung Bain angeeignet hat.

Dies kann Conrad jetzt bei seinem neuen Job gut einsetzen: Denn die Tchibo GmbH erwirtschaftet ihre dreistelligen Millionengewinne schon seit langem nicht mehr durch den Verkauf von Kaffee unter den beiden Dachmarken „Tchibo“ und „Eduscho“. Renditeträger sind Küchengeschirr, Bügeleisen, Textilien, Handys oder Reisen. Damit erschafft der Konzern, behauptet er, für seine Kunden „jede Woche eine neue Welt“.

Seite 1:

Ein Trompeter für Tchibo

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%