Markus Dohle
Deutscher neuer Chef bei Random House

Mit der Berufung von Markus Dohle zum Chef des weltgrößten Buchverlags Random House hat der neue Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski erneut einen Vertrauen aus seiner Zeit bei der Dienstleistungstochter Arvato auf einen Führungsposten gehoben. Die Berufung Dohles ist eine Überraschung – auch innerhalb von Bertelsmann.

FRANKFURT. Ostrowski baut so seine Machtposition aus. Dohle, der bislang die Druckereien von Bertelsmann leitete, soll Peter Olson ablösen und zugleich in den Vorstand des Medienkonzerns aufrücken. Die Berufung Dohles ist eine Überraschung – auch innerhalb von Bertelsmann. „Das ist ein Name, der hier nicht gehandelt wurde und viele überrascht haben dürfte“, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Zuletzt hatte Jörg Pfuhl, der Deutschland-Chef von Random House, als ein aussichtsreicher Kandidat gegolten. Dohle ist der zweite Mann aus dem Arvato-Umfeld, den Ostrowski mit höheren Weihen betraut. Zuvor hatte er bereits Rolf Buch zu seinem eigenen Nachfolger als Chef des Druckdienstleisters gekürt.

Das Stammbuch, das Ostrowski Dohle mit auf den Weg gibt, ist gut gefüllt. Das New Yorker Traditionsunternehmen soll neue Geschäftsfelder erobern. Zwar ist Random House alles andere als ein Sanierungsfall. Doch hatte Ostrowski zuletzt die Rückgänge bei Umsatz und Gewinn des Verlagshauses kritisiert. In Random House ist das weltweite Buchgeschäft der Gütersloher zusammengefasst. Die Tochter erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,84 (2006: 1,95) Mrd. Euro und einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern von hatte 173 (182) Mill. Euro.

Offensichtlich traut Ostrowski dem 58 Jahre alten Olson – er leitet Random House seit gut zehn Jahren – eine solche Expansion nicht mehr zugetraut. „Die Tochter läuft zwar, aber es fehlt einfach eine Vision“, ist in Gütersloh zu hören.

Allerdings stößt die Berufung von Dohle nicht nur auf Zustimmung. Ob ein Deutscher das richtige Gespür für die Leitung des weltgrößten englischsprachigen Verlages besitze, müsse sich erst noch zeigen, heißt es in Gütersloh. Zudem hat Dohle seine gesamte Laufbahn bei Bertelsmann verbracht. Sein Vorgänger Olsen dagegen kam erst im Zuge der Übernahme von Random House zu Bertelsmann. Er gilt als sehr belesen und verkörperte die Rolle eines Verlegers mit exzellenten Manager-Fähigkeiten.

Für Dohle spricht wiederum seine bisherige Leistung bei Mohn-Druck, der Druckerei von Bertelsmann. Die Tochter habe sich unter Dohle wirtschaftlich sehr erfolgreich entwickelt, ist zu hören. Konzernchef Ostrowski bezeichnete Dohle denn auch als „herausragenden Unternehmer“. Er bringe einen „frischen strategischen Blick“ für Random House mit. Schon in seiner Zeit bei Arvato habe der Manager bewiesen, dass er neue Umsatzquellen erschließen könne. Dohle selbst erklärte gestern, er wolle „zusätzliche Potenziale erschließen, die wir aus den Kerngeschäften entwickeln“.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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