Markus Gentzsch
Contis Mann in Schanghai

Markus Gentzsch ist der Typ Manager, der überall auf der Welt zurechtkommt. Dabei hilft ihm, dass er im besten Sinn unauffällig ist. Der Hannoveraner Zulieferer Continental setzt auf ihn und auf den Autoboom in Asien.

REGENSBURG. Seinen grauen Anzug durchzieht ein feiner Streifen, zum blauen Hemd trägt er eine dezente Krawatte. Die Spange in Handyform wirkt da fast schon extravagant. Sein Credo: "Ich versuche, mich zu neutralisieren. In unserer westlichen Kultur neigen wir zu Überheblichkeit. Dabei können auch wir dazulernen."

Markus Gentzsch ist der Mann, der das Continental-Geschäft in Asien antreiben soll, vor allem im boomenden Markt der Billigautos unter 10 000 Euro.

Einmal im Vierteljahr ist der Ingenieur mit Dienstsitz Schanghai in Deutschland. An diesem Tag sitzt der 44-Jährige in einem Konferenzraum in Regensburg. Nebenan stellt sein Arbeitgeber Continental die Steuerungselektronik für Sieben-Gang-Automatik-Getriebe her: täglich 3 000 Stück. Kunde ist die automobile Spitzenklasse, die Audi, BMW und Mercedes dominieren.

"Ufoingenieure" nennen Expatriates in Schwellenländern wie China ihre High-Tech-versessenen Kollegen im automobilen Mutterland. Die Arbeit von Gentzschs Team in Schanghai vollzieht sich nach anderen Gesetzen. "In Europa wird gern einmal zu viel gemacht. Da gibt es an mancher Stelle auch Overengineering", sagt der Vermittler zwischen den Welten. Chinesen beschränkten sich eher auf pragmatische Lösungen. "Als Europäer müssen wir wieder naiver an Probleme herangehen", sagt Contis Koordinator für die Schwellenländer. Seine Aufgabe ist es, einheimische Autobauer wie Geely zu betreuen. Keine leichte Aufgabe, wie Gentzsch berichtet: "Wir müssen unseren Kunden stärker helfen als in traditionellen Märkten. Es reicht nicht, die technischen Eigenschaften zu erklären. Häufig fehlt es an Standards, und Spezifikationen sind unzulänglich."

Seit vier Jahren ist der auslandserfahrene Ingenieur fest in China stationiert. Von hier aus soll er das Geschäft des Hannoveraner Automobilzulieferers antreiben. Nach der Übernahme des Ex-Konkurrenten VDO will Conti-Chef Manfred Wennemer Europas zweitgrößten Zulieferer globalisieren, um den Abstand zum Weltmarktführer Bosch zu verringern. Wennemer will den Umsatzanteil in Asien von acht Prozent auf mindestens 20 Prozent im Jahr 2015 erhöhen. Er setzt vor allem auf so genannte Low-Cost-Cars mit einem Verkaufspreis unter 10 000 Euro: Das Volumen der in Asien produzierten Modelle werde sich absehbar auf mehr als neun Millionen Stück verdoppeln, erwarten die Marktforscher von Polk.

Als Folge des globalen Einkaufs dürften die Autobauer bald in den alten Märkten von ihren Zulieferern dieselben Preise wie in China verlangen. "Wer da nicht mitzieht, ist in seinen Heimatmärkten schnell Herausfordern aus den Schwellenländern ausgeliefert", sagt Branchenexperte Engelbert Wimmer von PA Consulting.

Das Geschäft ist in China aber alles andere als leicht. Das musste der gebürtige Frankfurter Gentzsch erfahren. "Das erste Kundengespräch war von 10 bis 14 Uhr angesetzt", berichtet er. Statt dessen war es erst um Mitternacht zu Ende.

Ausufernde Konferenzen, in der streng regulierten Conti-Welt tabu, sind nicht die einzige Schwierigkeit im Umgang mit der Kundschaft aus Fernost. "Vortragen allein reicht nicht. Chinesen sind eher visuell veranlagt. Kein Wunder angesichts von gut 6000 Schriftzeichen", sagt Gentzsch. Der Austausch ist aber keine Einbahnstraße. Die Lösungen, die Conti in Asien für Billigautos findet, "bringen wir nach Europa zurück".

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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