Markus Schächter
Kesseltreiben auf dem Lerchenberg

Der Streit um die Zukunft von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender schwillt weiter. Ende März wird die entscheidung fallen. Dann könnte es auch eng werden für den Intendanten des ZDF, Markus Schächter.

DÜSSELDORF. Im 14. Stock des ZDF-Hochhauses auf dem Mainzer Lerchenberg fällt am 27. März um 14 Uhr die Entscheidung um die Zukunft des ZDF-Intendanten Markus Schächter. An diesem Freitag tritt der Verwaltungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders im Sitzungssaal des Intendanten zusammen, um über die Verlängerung des Vertrags von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender um fünf Jahre zu beraten. Schächter hat den liberalen Fernsehjournalisten vorgeschlagen und damit den Widerstand der Union provoziert. Sollte er mit seinem Personalvorschlag im Kontrollgremium scheitern, bleibt dem Intendanten offenbar nur noch ein Ausweg, nämlich der Rücktritt.

Aber noch ist das Kräftemessen zwischen Medien und Politik nicht entschieden. Doch die Situation spitzt sich weiter zu. Brender gilt als nicht mehr durchsetzbar. „Es gibt von der Unionsseite neun Stimmen gegen den Personalvorschlag des Intendanten, da bewegt sich nichts“, sagte Kurt Beck, im Hauptberuf rheinland-pfälzischer Ministerpräsident und im Nebenberuf Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, „Spiegel online“. Ohne die Union läuft aber beim Mainzelmännchen-Sender mit einem Jahresetat von 2,05 Milliarden Euro gar nichts, geschweige denn die Verlängerung des am 31. März auslaufenden Vertrags für ZDF-Chefredakteur Brender. Damit der angesehene TV-Journalist länger den Informationsbereich der Mainzer Anstalt leiten kann, braucht er mindestens neun der insgesamt 14 Stimmen. „Das Kind liegt im Brunnen“, sagt Uwe Kammann, Direktor des Adolf-Grimme-Instituts.

Schächter ist also in der Zwickmühle. Der Chefredakteursstreit wird für den 59-jährigen Südpfälzer zur Überlebensfrage. Eigentlich ist Schächter ein Konservativer. Doch gerade aus dem eigenen Lager bläst ihm der Wind stramm entgegen. Der ZDF-Fernsehratsvize und hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) lässt nicht locker, gegen Brender zu trommeln. Der gerissene Politiker aus dem Taunus zaubert zur Begründung sinkende Quoten im Informationsbereich aus dem Hut. Doch insgesamt steht das ZDF erstklassig da: Das Zweite ist in den ersten beiden Monaten mit einer Quote von 13,8 Prozent noch vor der ARD mit 12,9 Prozent und RTL mit 12,2 Prozent der Marktführer.

Doch das interessiert die politischen Kesseltreiber nur wenig. Im Hintergrund arbeitet offenbar auch der frühere bayerische Landesvater und CSU-Chef Edmund Stoiber gegen Brender und Schächter. Der Wolfratshausener hat nach Meinung von Insidern noch ein paar Rechnungen offen. Er soll das ZDF für seine Niederlage als Kanzlerkandidat mitverantwortlich machen.

Für Schächter wird es eng. „Bei einem anderen Unternehmen wäre solch eine Desavouierung in wichtigen Personalfragen gleichbedeutend mit der Aufforderung, das Amt abzugeben“, gibt Beck zu bedenken. Doch Schächter ist politisch erfahren. Vielleicht findet er noch einen Ausweg.

Bevor er am 9. März 2002 zum Intendanten gewählt wurde, gab es ein peinliches politisches Fingerhakeln um den Chefposten. Dem grundsoliden Schächter gaben damals nur wenige eine Chance. Doch am Ende scheiterten seine vier Konkurrenten. Schächter siegte.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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