Marna Whittington ist die Hoffnungsträgerin der Allianz-Fondssparte
Die Bonusmeilen-Millionärin

Die 58-jährige Amerikanerin Marna Whittington jettet mit freundlichem Lächeln und eisenharter Selbstdisziplin über Kontinente und Zeitzonen, um aus dem Fondsimperium der Allianz eine profitable Einheit zu schmieden.

NEW YORK. Montag: München, dreitägige Planungskonferenz mit Allianz-Führungskräften. Mittwoch: Newport Beach, Budgetverhandlungen mit der Anleihetochter Pimco. Donnerstag: abends zurück nach New York. Freitag: New York, Zielvereinbarungsgespräche mit Vertriebsleuten nach nur viereinhalb Stunden Schlaf. Es ist eine ganz normale Woche im Leben der Marna Whittington. „Ich habe mich daran gewöhnt, im Flugzeug zu leben“, sagt die Leiterin des Tagesgeschäfts bei Allianz Global Investors (AGI), der zweitgrößten Fondsgesellschaft der Welt.

Die schlanke, hoch gewachsene Whittington hat ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen den ersten erfolgreichen Anlageverwalter mit globaler Reichweite schmieden.“ Den ersten erfolgreichen Anlageverwalter? Sind die Fondssparten von UBS und Deutscher Bank nicht erfolgreich? Kommt darauf an, wie man rechnet. Kaum ein Fondshaus, das wie die Allianztochter durch milliardenschwere Zukäufe entstand, erzielte bislang eine ordentliche Rendite auf den Kaufpreis. Deshalb wäre es tatsächlich eine Neuheit, wenn die Investitionen der Allianz sich auszahlten.

„85 bis 90 Prozent aller Übernahmen im Fondsgeschäft vernichten Wert für den Käufer“, zitiert die promovierte Mathematikerin Whittington die grimmige Statistik, gegen die sie antritt. Aber als Chief Operating Officer von Allianz Global Investors (AGI) will sie es trotzdem schaffen. Joachim Faber, der für AGI zuständige Allianz-Konzernvorstand, holte die Amerikanerin gerade wegen ihrer leidvollen Erfahrung mit milliardenschweren Fondsübernahmen: Whittington fädelte 1996 als Partnerin des traditionsreichen US-Geldhauses Miller, Anderson & Sherred dessen Verkauf an Morgan Stanley ein.

Als Chief Operating Officer der kombinierten Einheit erlebte sie, wie Morgan Stanley ihre einst stolze Firma stutzte. Name und Kultur verschwanden, ebenso die besten Fondsmanager und manche Kunden. „Nach fünf Jahren blieb von Miller, Anderson wenig übrig“, sagt Whittington, die sich in den vorzeitigen Ruhestand zurückzog. Nun will die Amerikanerin bei Allianz Global Investors beweisen, dass sie es besser kann. Sie besetzt eine Doppelrolle: Zum einen kümmert sie sich als rechte Hand von Spartenchef Faber um das Tagesgeschäft. Zum anderen ist sie Chefin der US-Tochter Nicholas-Applegate in San Diego. „Dadurch behalte ich die Bodenhaftung“, sagt sie.

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