Martin Krapf
Der Geldmacher von RTL

Martin Krapf ist Chef von IP, der Werbetochter von Europas größtem Privatsender. Indirekt entscheidet er, wie teuer für Bertelsmann die Milliardenübernahme eigener Anteile wird.

KÖLN. Für Martin Krapf liegt das Paradies nicht fern. Sein Glück findet er bei Wochenendausflügen zu den von mittelalterlichen Wehrmauern umgebenen Winzerdörfern entlang dem Main. Bei Silvaner und Bratwürsten sucht der geborene Würzburger das Kontrastprogramm zu seinem Alltag: der hektischen Fernsehwelt in Köln.

Dort ist Krapf eine feste Größe, auch wenn er der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt ist: Er ist als Chef des Werbezeitenvermarkters IP der Geldbeschaffer für RTL.

Eine Position, die eigentlich nicht recht zu ihm passen mag. Schließlich gehört zur Werbevermarktung immer ein wenig Glamour, ein wenig Chichi, ein wenig Bussibussi. Doch Krapf ist geprägt von seiner fränkischen Heimat. Seine Bescheidenheit ist keine Koketterie, wie sie häufig und gerne in der Fernsehbranche zelebriert wird – das Understatement ist ernst gemeint. „Ich brauche die große Bühne nicht“, sagt der 46-Jährige.

Niemand seiner Kollegen zweifelt daran. Krapf wirkt eher wie ein Sparkassenangestellter aus Köln-Nippes als einer der mächtigsten Männer im deutschen Fernsehgeschäft. Schrille Partys mit den RTL-Promis scheut der Werbeverkäufer wie der Luxusuhrenhersteller das Schalten von Spots bei „Big Brother“.

Und deshalb kennt außerhalb der RTL-Welt kaum jemand den unscheinbaren Fernsehmanager. Dabei ist IP Deutschland die Geldquelle für den Fernsehkonzern aus dem Reiche Bertelsmann. Durch Krapfs Hände gehen die Werbemilliarden von Großkunden wie Unilever, Procter & Gamble, Ferrero, Henkel oder Volkswagen.

Und deshalb wirft auch die Konzernmutter in Gütersloh ein kritisches Auge auf Krapfs Wirken: Denn er muss die Millionen verdienen, mit denen die Patriarchenfamilie Mohn den Anteil des belgischen Finanzmagnaten Albert Frère zurückkaufen will. Derzeit laufen die Geschäfte wieder gut. Das erste Halbjahr übertraf seine Erwartungen. Zahlen nennt der ansonsten redselige Krapf nicht. Doch er macht keinen Hehl daraus, dass seine Laune derzeit bestens ist. „Viele Kunden haben ihre Werbeausgaben nach vorne gezogen“, sagt er und lächelt.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer beflügelt derzeit die Werbegeschäfte der RTL-Sender. Auch von der Fußball-Weltmeisterschaft profitierte der größte deutsche Privatsender, übertrug er doch wenigstens ein paar Spiele des Turniers. In der Halbzeit des WM-Achtelfinalspiels verlangte RTL für einen 30-Sekunden-Spot den Rekordpreis von 155 400 Euro.

Seite 1:

Der Geldmacher von RTL

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%