Martin Lenz
Finanzinvestor holt neuen Neckermann-Chef

Neckermann macht?s möglich: Nach nur sechs Jahren steht das Frankfurter Versandunternehmen zum achten Mal unter neuer Führung. Jetzt soll es Martin Lenz richten. Der 57-Jährige aus dem österreichischen Dornbirn wird ab heute Nachfolger von Bernd Oppenrieder und Stefan Herzberg.

DÜSSELDORF. Beide haben sich bereits aus der Geschäftsführung verabschiedet. Grund sind die neuen Besitzverhältnisse im Frankfurter Unternehmen: Die amerikanische Private-Equity-Firma Sun Capital hatte vor wenigen Wochen dem Vorbesitzer Arcandor (Karstadt -Quelle) 51 Prozent der Geschäftsanteile abgekauft. Seither hält der Essener Warenhauskonzern nur noch 49 Prozent an dem seit Jahren chronisch defizitären Versandhaus.

Das im Dritten Reich von Josef Neckermann gegründete Unternehmen setzte zuletzt 1,4 Milliarden Euro um, beschäftigt 5 000 Mitarbeiter in zehn Ländern, gilt nach Quelle und Otto als drittgrößter Versender in Deutschland und schrieb im vergangenen Geschäftsjahr einen Betriebsverlust in zweistelliger Millionenhöhe.

Am Turn-around des Traditionsunternehmens versuchten sich gleich mehrere Unternehmergenerationen. Nach einer schweren Schieflage gab Konzerngründer Josef Neckermann die Firma 1976 in die Hände von Karstadt, damals unter Führung von Walter Deuss. Um den weiteren Niedergang der renditeschwachen Konzerntochter zu stoppen, fädelte dieser 1999 die Fusion mit dem Neckermann-Konkurrenten Quelle ein. Doch auch Werner Piotrowski, Christoph Achenbach, Arwed Fischer, Harald Pinger und Harald Gutschi warfen später bei Neckermann nicht das Ruder herum.

Der 42-jährige Stefan Herzberg, der Lenz nun die Führung in Frankfurt überlässt, war zudem bei Neckermann nur zwischengeparkt. Ende August 2007 hatte der Warenhausexperte den Kaufhof-Vorstand in Köln verlassen, weil ihm dort der Weg an die Spitze verbaut war.

Herzberg heuerte beim Wettbewerber Karstadt -Quelle an, wo er zunächst - offenbar, um die Karenzzeit zu überbrücken - die Geschäftsführung von Neckermann übernahm. Durch den Verkauf des Versenders an Sun Capital erhielt Herzberg die Möglichkeit, die "Change of Control"-Klausel seines Anstellungsvertrags zu nutzen und das Arbeitsverhältnis vorzeitig zu beenden. Seit vier Wochen leitet er mit Peter Wolf die Warenhauskette Karstadt.

Nun also Lenz. Wie Neckermann blickt auch er auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Beim Kristallhersteller Swarovski war er Vorstandschef einer Konzerntochter, den Strumpfhersteller Wolford begleitete er als Finanzvorstand, und selbst im Versandhandel sammelte er Erfahrung: Zwischen 1994 und 1998 leitete Lenz Quelles Österreichtochter in Linz. Dort lernte er im Unternehmen Achim Egner kennen.

Daraus entwickelte sich eine lukrative Seilschaft. Denn nach dem Antritt an der Spitze des Kölner Rewe -Konzerns holte Egner seinen ehemaligen Weggefährten ins Unternehmen und übertrug ihm die Verantwortung von Rewe Austria, der mit 31 500 Mitarbeitern und über sieben Milliarden Euro Umsatz größten Auslandsgesellschaft des Lebensmittelhändlers. Die Karriere endete mit Egners Sturz. Schon nach zwei Jahren war auch für Lenz in Wien Schluss.

"Wir freuen uns, mit Martin Lenz einen erfahrenen Versandhandels- und Turn-around-Experten für die weitere Entwicklung des Unternehmens gewonnen zu haben", sagte Sun -Manager Frank Maassen am Freitag in London.

Es ist wohl auch das Herz für Private Equity, das Lenz zum neuen Job verholfen hat: Nach seinem Abgang bei Rewe gründete er mit dem Wiener Finanzinvestor Thomas Schreiner die Finanzfirma Spot Beteiligungen. In der Alpenrepublik bietet sie angeblich gerade für die Landesgesellschaft der Discountkette Plus.

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