Martin Richenhagen ist Chef des großen Landmaschinenkonzerns Agco
Deutscher Ex-Lehrer lenkt US-Traktorhersteller

Martin Richenhagen war früher Studienrat in Deutschland und führt jetzt das amerikanische Landmaschinen-Konglomerats Agco. Richenhagen ist damit der einzige Deutsche, der einen der 500 größten US-Konzerne führt.

MÜNCHEN. Martin Richenhagen sieht nicht so aus, als habe er schon einmal auf einem Traktor gesessen. Er trägt feinen blauen Zwirn, die Krawatte sitzt tadellos, und seine Haltung ist die eines vornehmen, selbstbewussten Mannes. Doch das Aussehen täuscht: Der 52-Jährige kennt sich mit Schleppern, Anhängern und Mähdreschern so gut aus wie jeder Landwirt.

Das alleine wäre noch nicht bemerkenswert, denn als Chef des amerikanischen Landmaschinenbauers Agco ist der geübte Umgang mit den bulligen Geräten eine Einstellungsvoraussetzung. Was Richenhagen von anderen Managern abhebt, ist die Tatsache, dass er als einziger Deutscher einen der 500 größten US-Konzerne führt.

Seit Mitte März steht der Ex-Studienrat an der Spitze des Landmaschinen-Konglomerats Agco, das mit einem Umsatz von zuletzt 3,5 Milliarden Dollar zu den größten Anbietern der Welt gehört und gegen Traktorriesen wie John Deere antritt. Martin Richenhagen steuert ein internationales Firmennetz mit fast zwei Dutzend Marken, darunter der deutsche Traktor-Hersteller Fendt, und 16 000 Mitarbeitern.

„Es ist erstaunlich, wie gut ich aufgenommen wurde“, erzählt der Manager von den ersten 100 Tagen seines neuen Jobs in Atlanta. Nicht nur die Mitarbeiter von Agco hätten ihren neuen Chef mit offenen Armen empfangen, auch US-Analysten und Kunden hätten sich positiv über seine Ernennung geäußert.

Agco hatte weltweit über Headhunter anderthalb Jahre nach einem neuen Chef gesucht, bis sie auf Richenhagen stießen. Der bisherige Vorstandsboss Robert Ratliff, 72, wollte sich bereits länger zurückziehen, doch sein designierter Nachfolger kam 2002 bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Dass die Personalabteilung schließlich Richenhagen verpflichtete, hat seinen Grund: Er ist ein ausgewiesener Kenner des Landmaschinengeschäfts und war vor dem Engagement in den USA Sprecher der Geschäftsführung des deutschen Wettbewerbers Claas.

Sein steiler Aufstieg in eine Vorstandsetage war keineswegs vorgezeichnet. Als Sohn einer „gut katholischen Kölner Lehrerfamilie“ habe er viele Priester in der Verwandtschaft gehabt, erzählt der stämmige Mann mit der Glatze. Deshalb habe er selbst Theologie, Philosophie und Romanistik studiert. Ursprünglich wollte er Journalist werden, ging dann aber in den Lehrdienst und wurde beamteter Studienrat.

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