Martin Roman
Zum Chefsein geboren

Was soll dieser Mann eigentlich noch erreichen? Ende Oktober wird er 40 – und steht schon jetzt seit gut fünf Jahren an der Spitze des größten Unternehmens im Land. Und Martin Roman kann seinen Aktionären eine echte Erfolgsgeschichte präsentieren. Denn den tschechischen Energieriesen CEZ hat er zum hochprofitablen Konzern getrimmt.
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WIEN. Gerade erst hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) den tschechischen Energieriesen CEZ zum weltweit erfolgreichsten Stromkonzern gekürt. Kein anderes Unternehmen der Branche hat seinen Anteilseignern in den zurückliegenden fünf Jahren ähnlich hohe Erträge beschert. Und das ist genau die Zeit, die Roman an der Spitze des Prager Konzerns steht.

Wem Roman das erste Mal über den Weg läuft, der wird ihn kaum für den Chef eines Konzerns mit sechs Mrd. Euro Jahresumsatz und 30 000 Mitarbeitern halten. Mit seinen 39 Jahren wirkt er mit seinem drahtigen Kurzhaarschnitt frisch und unverbraucht. Wenig deutet darauf hin, dass er als ziemlich junger Mann schon früh eine beeindruckende Karriere gemacht hat.

Vielleicht gehört er zu den Menschen, die zum Chef-Sein geboren sind. Denn während seines gesamten Berufslebens ist er eigentlich nur Chef, Geschäftsführer oder Direktor gewesen. Roman muss selbst ein wenig darüber nachdenken, ob er vielleicht auch einmal ganz einfache Jobs gemacht hat. Ihm fällt dazu nur eine Episode ein. Als Schüler hat er während der Sommerferien als Gärtner, Maurer und Bote gearbeitet. Aber das ist schon alles, früh begann der wundersame Aufstieg des jungen Mannes aus dem kleinen Dorf Havirov aus dem Nordosten des Landes, unweit der Grenze zu Polen.

Schon zum Ende seines Jura-Studiums an der Prager Karls-Universität war Roman mit Anfang 20 das erste Mal Chef. In den Wirren der Nachwende-Jahre suchte der deutsche Knabbergebäck-Hersteller Wolf Bergstraße einen Vertriebsleiter für Tschechien – und fand ihn in Roman. Natürlich musste er in dieser Zeit auch Lehrgeld zahlen, setzte sich aber trotzdem durch. „Ich habe damals gedacht, dass der Chef-Job nicht so schwer ist. Talent und Cleverness würden ausreichen“, sagte er später in einem Interview. Und er hatte natürlich auch Glück: Um ihn herum war ein gutes Team, die Verkaufszahlen für Salzstangen und Chips gingen in Tschechien ordentlich in die Höhe.

Mitte der 90er-Jahre war in Tschechien viel möglich. Martin Roman wollte etwas anderes machen. Ein Jurist muss flexibel sein, also wechselte er die Branche. Vom Knabbergebäck ging es weiter zu Klimaanlagen: Der junge Mann heuerte beim mittelständischen Hersteller Janka Radotin an. Gegenüber den Eigentümern bewies er sein Überzeugungsvermögen – sie machten den Branchenfremden gleich zum Chef. Beim Knabbergebäck hatte Roman gelernt, sich an den Wünschen der Kunden zu orientieren. Dieses Muster aus dem Konsumgütergeschäft übertrug er auf den eher sperrigen Hersteller von Klimaanlagen – und hatte Erfolg damit. Nach fünf Jahren kam der große Durchbruch – mit gerade einmal 30.

Die Zeit bei Janka Radotin hatte ihn in Tschechien bekanntgemacht, Head-Hunter waren auf den jungen Mann aufmerksam geworden. Und sie empfahlen ihn als neuen Chef der Skoda-Holding in Pilsen, eines der größten Unternehmen des Landes im Maschinen- und Anlagenbau. Vater Staat hatte damals bei Skoda noch einiges mitzureden. Milos Zeman, sozialdemokratischer Ministerpräsident zu dieser Zeit, ließ seine anfänglichen Bedenken fallen und stimmte der Berufung von Roman zu.

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