Martin Winterkorn
Piëchs Meisterschüler zählt zu den Siegern

VW-Chef Martin Winterkorn muss mit Porsche die Details des neuen Autokonzerns aushandeln. Zu den Gewinnern der Firmen-Ehe gehört er aber schon jetzt.

HAMBURG. Kein Kriegsgeheul und kein Triumphgeschrei - die Ansage kommt von oben. In der VW-Zentrale wird der Sieg über das widerspenstige Porsche-Management still genossen. Angeordnet hat das Konzernchef Martin Winterkorn - und am Mittellandkanal hält man sich besser an das, war er vorgibt. Egal ob beim großen Ganzen oder den Details des Automobilbaus. Sonst kann der joviale Schwabe von jetzt auf gleich ungemütlich werden.

Der Mann an der Spitze hat für große Feiern ohnehin keine Zeit. Gut zwei Wochen bleiben ihm, um die Einzelheiten der Grundlagenvereinbarung mit Porsche zu verhandeln. Am 13. August soll der Aufsichtsrat der Volkswagen AG sie verabschieden. Winterkorn muss dafür sorgen, dass der neue Porsche-Chef Michael Macht das Gesicht wahren kann: Firmensitz in Stuttgart, weitgehende Autonomie bei Produktion und Vertrieb. Porsche bleibe eigenständig, hatten Chefkontrolleur Wolfgang Porsche und Betriebsratschef Uwe Hück Donnerstag am Ende einer langen Nacht versprochen

Ihre Gegenspieler bei VW, Chefaufseher Ferdinand Piëch und Betriebsratsboss Bernd Osterloh, waren zum Stuttgarter Flughafen gerast, um übernächtigt die anschließende Sitzung des VW-Aufsichtsrates vorzubereiten. Zur Stärkung gab es im abgeschirmten Konferenzzentrum des Terminals eins Bretzeln und Maultaschen - ganz nach dem Geschmack des Schwaben Winterkorn. Schon vor dem D-Day hatte Volkswagens Spitzenmanager klar gemacht, dass gerade er Porsche nicht unterbuttern will: "Die Menschen in Stuttgart müssen den Menschen in Wolfsburg vertrauen können." Winterkorn verspricht: "Ich als Schwabe, der Porsche liebt, achte darauf."

Man darf es ihm glauben. Andere einzubinden ist das Getriebe des Volkswagen-Motors. Als die Deutschen den schwedischen LKW-Bauer Scania übernommen hatten, flog Winterkorn frühmorgens nach Stockholm, um dem Management seine Wertschätzung zu zeigen. Den Antagonismus zwischen Freiraum und Disziplin im Alltag kennt keiner besser als der VW-Chef, der bis zum Wechsel an die Konzernspitze die Tochter Audi führte: Im Süden profitieren sie gern von der Kraft des Konzerns im Norden, machen aber ansonsten am liebsten das, was ihnen passt. So hielten es Piëch und Winterkorn selbst an der Audi-Spitze.

"Psychologie spielt eine große Rolle für diese Dinge", sagt Winterkorn. Das hat Piëchs Meisterschüler von dem einzigen Mann gelernt, den er respektvoll "Chef" nennt und auch nach gemeinsamen Jahrzehnten korrekt siezt. Kumpels sind Piëch und Winterkorn nicht - selbst beim grellen GTI-Treffen am Wörthersee oder der ausgelassenen Meisterfeier des VfL Wolfsburg halten sie auf Etikette. Doch sie sind enge Verbündete im Geist des Automobilbaus.

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