Martin Winterkorn
Volkswagen-Chef im Blitzlicht-Gewitter

Gute Miene zum bösen Spiel: Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn lässt sich die persönliche Attacke auf ihn nicht anmerken. Am Montag macht er „Business as usual“. Dazu gehört, der Kanzlerin die Hand zu schütteln.
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HannoverDie typische Handbewegung fehlt auch am ersten regulären Arbeitstag nach den vernichtenden Aussagen des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch über ihn nicht. Martin Winterkorn streicht über die Dachkante eines Fahrzeugs auf dem Stand des Konzern auf der Hannover Messe, prüft mit kritischem Blick das Spaltmaß des Autos und lässt einfach mal die Fahrertür zufallen. Er will zeigen, dass auch ein Schließgeräusch etwas hermacht.

Der Volkswagen-Chef weiß, dass an diesem Tag die vielen Kameras nicht nur wegen des Besuchs von Kanzlerin Angela Merkel und Indiens Premier Naremdra Modi auf ihn gerichtet sind. Seit in der Online-Ausgabe des „Spiegel“ der mittlerweile berühmte Satz „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ stand, ausgesprochen vom mächtigen Aufsichtsratschef Piëch, ist in der Volkswagen-Welt eigentlich nichts mehr wie es war.

Das spüren auch die Aktionäre. Die Führungskrise bei Europas größtem Autobauer hat sie aufgeschreckt. Die Vorzugsaktie büßte als schwächstes Papier im kaum bewegten Leitindex 1,2 Prozent auf 250,15 Euro ein. Händler und Analysten kritisierten, dass Piëch an die Öffentlichkeit gegangen sei. Das sorge für Verunsicherung, hieß es. Für Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner etwa werden so „mehr Fragen als nötig“ aufgeworfen. „Von außen sah die Fassade bei VW eigentlich gut und stabil aus. Die Reibereien zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzendem sprechen dagegen eine komplett andere Sprache.“

Winterkorn wird jetzt anders betrachtet. Wirkt er angeschlagen, unsicher, gar fahrig? Nichts dergleichen ist in Hannover zu sehen. Wobei er genau weiß, dass ihn alle wegen dieser kritischen Äußerungen exakt beobachten. Winterkorn stört es nicht, er macht business as usual. So als seien Piëchs Sätze nie gefallen.

Das war schon am Vorabend so, bei der Eröffnung der weltgrößten Industriemesse vor 4000 Gästen. Alle Kameras hielten auf Winterkorn, selbst als die Kanzlerin bereits im Anmarsch war, wollte man jede Regung von ihn einfangen. Und viele suchten auffällig direkt den Kontakt zu ihm. Um aus erster Quelle zu erfahren, wie passieren konnte, was sich bis Freitag niemand vorstellen konnte. Nämlich das mögliche Ende einer Männerfreundschaft. Daimler-Chef Dieter Zetsche klopft Winterkorn auf die Schulter, die Patriarchin des Automobilzulieferers Schaeffler, Maria-Elisabeth Schaeffler, begrüßt ihn herzlich, genauso Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

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Volkswagen-Chef im Blitzlicht-Gewitter

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Niedersachsens Ministerpräsident begrüßt ihn herzlich

Kommentare zu " Martin Winterkorn: Volkswagen-Chef im Blitzlicht-Gewitter"

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  • Welch schönes Bild, schön den Diener machen, und hinterher weiter Geld über die Niederlande auf die Kaimanninseln verschieben, bis zu 50 Mio pro Jahr.
    Hier sehen wir Diener des Volkes.

  • Wenn man sich diesen verkniffen drein schauenden Ferdinand Piech anschaut, weiß´ man sofort mit welcher Spezies Mensch man es zu tun hat; nämlich mit einem Patriarchen, der keinen anderen Menschen geschweige denn eine andere Meinung neben sich gelten lassen kann.

    Mit solchen Typen kann man nicht zusammen arbeiten. Mit solchen unsympatischen Leuten will man nicht zusammen arbeiten !!!

  • Winterkorn weiß wie man Autos baut und seine Kunden glücklich macht. Der Typ hat Benzin im Blut und ein einzigartiges Produkt- Portfolio aufgebaut und unter Kontrolle.
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    Ääähm, NEIN.

    Alles, echt alles, was bei Volkswagen gegenüber Kunden in Erscheinung tritt, wird vom Big Boss persönlich frei gegeben. Wiko ist gut als Qualitätsmanager, aber ihm fehlt alles, was sie da gerade geäußert haben.

    So waren es selbst die Worte von Herrn Dr. Piech vor ein paare Jahren. Alleine schon aus dem Grund entscheidet der Big Boss, was gebaut wird.

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