Martin Winterkorn wird 70
„Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben“

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn feiert am Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Die Karriere des Sohns aus einfachen Verhältnissen ging über Jahrzehnte steil bergauf. Doch mit Dieselgate kam der tiefe Fall. Viele Fragen bleiben.
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Wolfsburg/BerlinKaum ein Top-Manager ist binnen so kurzer Zeit so tief gestürzt wie er. Vor zwei Jahren sonnte sich Martin Winterkorn noch in den Erfolgen einer Rekordjagd, die kein Ende zu nehmen schien. Doch schon wenige Wochen nach seinem Rücktritt wegen der Abgas-Affäre im September 2015 war für „Mr. Volkswagen“ nichts mehr wie vorher. Und auch zum 70. Geburtstag dürfte dem Ex-VW-Chef nicht unbedingt nur nach Feiern zumute sein.

„Wie konnte so etwas passieren?“, haderte Winterkorn im Januar halb trotzig, halb demütig im Diesel-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Es war ein Spießrutenlauf für den Gefolgschaft gewöhnten früheren Lenker des Wolfsburger Autoimperiums. Abgeordnete löcherten ihn mit Fragen zum Ursprung des millionenfachen Stickoxid-Betrugs. Winterkorn beteuerte, vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals nichts von illegalem Tun gewusst zu haben. Am Ende aber musste er seine fast neunjährige Amtszeit an der Spitze des größten deutschen Industriekonzerns rechtfertigen: Er habe eben zu akzeptieren, dass sein „Name verbunden ist mit der sogenannten Diesel-Affäre“.

Der Schatten, der infolge zwischenzeitlicher Milliardenverluste, immenser Strafgelder und Risiken für den Ruf der gesamten Autobranche nun auf der Ära Winterkorn liegt, ist nicht wegzudiskutieren. Dass es zu solch einem Erdrutsch kommen würde, hätten sich selbst VW-Kritiker vor eineinhalb Jahren nicht vorstellen können. Aus dem Unternehmen heißt es, die Leistungen des einstigen Chefs dürften jedoch nicht vergessen werden. Unter ihm seien beispielsweise mehr als 140.000 neue Jobs entstanden, Umsatz und Ergebnis hätten sich verdoppelt.

„Wiko“ – wie er intern vom Bandarbeiter bis zum Vorstandskollegen locker-ehrfürchtig genannt wurde – war ein gefeierter Star in der deutschen Wirtschaftselite. Und lange auch der mit Abstand am besten verdienende Manager aller Dax-Konzerne. Jahresgehälter von bis zu 17 Millionen Euro und eine Rente von üppigen 3100 Euro pro Tag entfachten die Debatte um raffgierige Führungskräfte neu.

Die Belegschaft ließ allerdings meist nichts auf ihren Chef kommen. Winterkorn pflegte einen engen Draht zum Betriebsrat, war ungeachtet des Zitterns vieler Ingenieure und Designer vor seinem Urteil insgesamt hoch anerkannt. Das hatte auch mit Begeisterung für „sein“ Unternehmen VW zu tun. Der Workaholic steht um 5 Uhr auf. Erst jede Menge Briefings, nach zig Besprechungen gibt er grünes Licht für ein neues Modell, mittags zum Test nach Schweden, abends ins Flugzeug zum nächsten US- oder China-Termin – so sahen Arbeitstage oft aus.

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