Martin Wolgschaft
Großdrogist Müller holt AEG-Manager

Es ist nicht einfach, Erwin Müllers Vertrauen zu gewinnen. Der Gründer und Chef des Ulmer Handelsimperiums Müller Limited & Co. KG würde am liebsten immer noch alles selbst machen. Doch nun holt sich Müller mit dem ehemaligen AEG-Manager Martin Wolgschaft einen neuen Geschäftsführer an seine Seite, der auch für höhere Aufgaben bestimmt ist.

ULM. Voller Ehrfurcht und Bewunderung beschreiben Mitarbeiter den Gründer und Chef des Ulmer Handelsimperiums Müller Limited & Co. KG als „hart und kalt, aber konsequent“ – und als Kontrollbesessenen, der in seiner Firma noch immer jeden Vorgang am liebsten höchstselbst überprüfen würde. Entsprechend schwer fällt ihm das Loslassen.

Jetzt aber ist es offenbar bald so weit. Müller, 74, Herrscher über fast zwei Milliarden Euro Umsatz und 16 500 Mitarbeiter in 450 Kleinkaufhäusern, hat sich für einen neuen Geschäftsführer entschieden. Nach Handelsblatt-Informationen wird Martin Wolgschaft, 49, zum 1. Oktober in die Geschäftsführung des Ulmer Handelsunternehmens eintreten und neben Firmengründer Erwin Müller das operative Geschäft leiten. Müller wollte zu der anstehenden Personalie keine Stellungnahme abgeben.

Müller verkauft in fünf Ländern vor allem Drogerieerzeugnisse, aber auch Spiel- und Haushaltswaren, Unterwäsche und Multimedia-Artikel. Das Unternehmen wächst seit Jahren stetig und aus eigener Kraft, finanziert es die Eröffnung neuer Filialen doch meist aus dem Cash-Flow.



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Sah es lange Zeit so aus, als ob Erwin Müllers einziger Sohn Reinhard eines Tages die Leitung des kerngesunden und verschwiegenen Familienbetriebs übernehmen würde, deutet jetzt einiges darauf hin, dass sich der Patriarch für Wolgschaft entschieden hat. Wolgschaft arbeitete bis in den Sommer als Geschäftsführer der AEG Hausgeräte GmbH, einer sanierungsbedürftigen Tochter des schwedischen Electrolux-Konzerns. Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der Konsumgüterbranche und im Handel, er war bei Kodak und für Metro-Gründer Otto Beisheim tätig, bei Philip Morris und Johnson & Johnson.

In einer internen Mitteilung an die Müller-Beschäftigten ist nun sinngemäß davon die Rede, Wolgschaft solle nach einer Einarbeitungszeit die Gesamtverantwortung übertragen bekommen. Sohn Reinhard würde demnach leer ausgehen.

Dazu passt erstens, dass es nach Informationen aus der Belegschaft in den vergangenen Jahren immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn gegeben hat. Und zweitens, dass Sohn Reinhard nun den Vorsitz des Firmenbeirats übernimmt, eines Gremiums, das keine operative Verantwortung trägt. Im Beirat werden zwar wichtige Entscheidungen diskutiert, allerdings weitgehend ohne Durchschlagskraft und Vetorecht. Gleichwohl werten Beobachter die Berufung Reinhards an die Spitze dieses Gremiums als „Schritt zur Versöhnung“ zwischen Senior und Junior.

Peter Brors
Peter Brors
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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